Kapuan ist ein Opfer des illegalen Wildtierhandels. 2006 konnte die BOS Foundation sie aus einem Leben als Show-Orang-Utan in Thailand befreien. Fast 20 Jahre Rehabilitation waren nötig, ehe Kapuan bereit für ein selbstständiges Leben im Regenwald war. Auch Hannah Emde machte sich während der Dreharbeiten zu “Faszination Erde” auf die dunkle Spur der Wildtierhändler.
Auf Borneo war sie außerdem zu Gast in der BOS-Waldschule in Nyaru Menteng, um den Orang-Utan-Waisen beim Lernen zuzuschauen. Und sie stattete der BOS-Forschungsstation Tuanan in Mawas einen Besuch ab. Hier erfuhr sie mehr über die wichtige Rolle, die Orang-Utans im Ökosystem Regenwald spielen.
Schon am Freitag, 27.03.2026 ist Hannah Emde zu Gast in der Talkshow “3nach9”. Hier darf sie Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo von ihrer Arbeit und der abenteuerlichen Reise nach Borneo berichten.
Auch im Tourismus gilt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Und die Nachfrage nach Begegnungen, Attraktionen und Unterhaltungsangeboten mit Wildtieren ist groß. Welches Leid für die oft seltenen und bedrohten Tiere dahintersteckt, ist Besucherinnen und Besuchern selten bewusst – und manchmal schwierig zu durchschauen. Ob es sich um ein gutes oder ein schlechtes und für die Tierart gefährliches Angebot handelt? Unsere Checkliste hilft bei der Einschätzung, welche touristischen Angebote Sie meiden sollten, um Tierleid zu verhindern.
Das Interesse an Wildtieren und der Wunsch, ihnen zu begegnen ist nicht per se schlecht. Was der Mensch kennt und liebt, das möchte er umso mehr beschützen. Im besten Fall sind touristische Angebote so konzipiert, dass sie den Artenschutz stärken: Durch Information, Aufklärung und vielleicht sogar der finanziellen Unterstützung eines Artenschutzprojektes. Die Samboja Lodge neben dem BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari ist beispielsweise ein solches Angebot.
Jeden Tag leiden die Orang-Utans im Phnom Penh Safari Zoo in Kambodscha. Zur Belustigung des begeisterten Publikums
Orang-Utans, die auf einer Bühne in Menschenkleidung eine alberne Show abliefern müssen, sind hingegen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit Opfer des Wildtierhandels. Vermutlich wurden sie als Babys ihren getöteten Müttern entrissen. Vielleicht wurden sie in einem Zoo gezüchtet. Auf jeden Fall besteht ihr Dasein aus Qual und Leid und ist nicht artgerecht. Doch Parks, die solche Tier-Shows anbieten, sind beliebt und werden auch von Touristinnen und Touristen aus Europa gern besucht. Gibt es dann auch noch Interaktionsangebote wie Fotomöglichkeiten, Fütterungen oder gar gemeinsame Spaziergänge, klingeln garantiert die Kassen der Anbieter.
Im The Zoo Wildlife Park – Umm al Quwain arbeitet Orang-Utan-Weibchen Habouba Tag für Tag zur Bespaßung der Besucherinnen und Besucher
Handlungsempfehlungen, um illegalen Wildtierhandel und Tierquälerei zu verhindern Der illegale Handel mit Wildtieren hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem global organisierten Verbrechen entwickelt, das in einer Reihe mit Drogen‑, Menschen- und Waffenhandel steht. Er generiert pro Jahr geschätzte 20 Milliarden Euro Umsatz und stellt die zweitgrößte Bedrohung für vom Aussterben bedrohte Arten dar (nach dem Verlust des Lebensraumes auf Platz 1). Es gibt unzählige touristische Angebote weltweit, die beliebt und seit Jahren etabliert sind, die man als aufmerksamer, tierlieber Mensch meiden sollte, um das Geschäft mit Wilderei und Tierleid nicht weiter zu unterstützen.
Checkliste: Ist dieses touristische Angebot artgerecht oder grausam?
Wir haben daher eine Checkliste zusammengestellt, die Ihnen bei der Beurteilung hilft. Damit Sie eine bewusste, gute Entscheidung für oder gegen einen Besuch oder eine Buchung treffen können. Und so dazu beitragen, illegalen Wildtierhandel und Tierquälerei zu verhindern.
Befindet sich das Wildtier in seinem natürlichen Lebensraum?
Wenn ja: Wie findet die Begegnung zwischen Touristen und dem Wildtier statt? Kann es sich jederzeit aus der Situation entfernen? Gibt es Erklärungen und Regeln für die Touristen bezüglich des richtigen Verhaltens, um die wildlebenden Tiere möglichst wenig zu stören? Oder wird man als Besucher womöglich dazu ermutigt, mit dem Wildtier zu interagieren, etwa um es zu füttern oder ein gemeinsames Foto zu machen?
Das Wildtier lebt nicht frei, sondern wird in einem Gehege gehalten
Informieren Sie sich über die natürlichen Lebensweisen der Tiere. Je mehr Sie wissen, desto leichter erkennen Sie, ob die Haltung des Tieres artgerecht ist oder nicht. Wenn Informationen über das gehaltene Tier wie etwa sein natürlicher Lebensraum, Lebensweise und eventuelle Bedrohungen für die Tierart nicht ohnehin Bestandteil des Angebots sind – fragen Sie ruhig nach! Ein seriöser touristischer Anbieter wird Ihnen gerne mehr Informationen über das Lebewesen in seiner Obhut geben. NO GO: Wenn ein Wildtier sein Gehege verlassen muss, um mit Besuchern zu interagieren – siehe Punkt 3.
Shows und Fotomöglichkeiten mit Wildtieren
Besuchen Sie auf Urlaubsreisen keine Orte, an denen Wildtiere zu dem Zweck gehalten werden, dass sie eine Dienstleistung für Menschen erbringen oder zu nicht artgerechten Interaktionen mit Menschen angehalten bzw. gezwungen werden. Dazu gehören beispielsweise Shows, in denen Wildtiere vorgeführt werden, und Fotoangebote, bei denen die Menschen den Wildtieren nahekommen.
Wird das Tier vermenschlicht?
Diese Faustregel gilt auch für Haustiere, umso mehr jedoch für Wildtiere: Wird das Tier vermenschlicht, so handelt es sich nicht um eine artgerechte Haltung. Wenn ein Orang-Utan in Hemd und Hose ein Golfcart fährt oder man einen kleinen Schimpansen in Babykleidung auf den Arm nehmen und knuddeln darf, dann ist das nicht „Oh wie süß!“ oder ein witziges Motiv für Social Media (siehe Punkt 7), sondern eine Quälerei für die Tiere, löst Verhaltensstörungen aus und verkürzt womöglich sogar die Lebenszeit des Tieres.
Ein Orang-Utan fährt mit dem Fahrrad durch den Phnom Penh Safari Zoo und sammelt Geld bei den Besucherinnen und Besuchern
Tue ich dem Tier durch meinen Besuch etwas Gutes?
Auch touristische Angebote, bei denen man den Tieren vermeintlich etwas Gutes tut, sollte man zunächst kritisch betrachten. Zur Einordnung und Bewertung helfen folgende Fragen: Wird das Tier wie ein Haustier behandelt – und wenn ja, handelt es sich tatsächlich um ein Haustier oder um ein Wildtier? Ist es ein natürliches Verhalten des Tieres, das für das touristische Angebot „genutzt“ wird, oder ist es widernatürlich und nicht artgerecht? Kann das Tier die Situation verlassen, wenn es genug hat? Wenn es sich um Jungtiere handelt: Was passiert mit ihnen, wenn sie größer werden und nicht mehr niedlich sind?
Handelt es sich bei dem Wildtier um eine seltene oder bedrohte Art?
Der Handel mit seltenen und vom Aussterben bedrohten Arten ist aus naheliegenden Gründen verboten. Trotzdem passiert er. Und ist eine massive Bedrohung für den Artenschutz. Sollte Ihnen, etwa auf einer Urlaubsreise, ein seltenes Wildtier im Rahmen einer touristischen Aktivität begegnen oder sogar zum Kauf angeboten werden, so lehnen Sie freundlich ab. Wenn es Ihnen möglich ist und Sie sich damit nicht in Gefahr begeben, so informieren Sie bitte direkt im Anschluss die zuständigen Behörden vor Ort und/oder eine NGO, die in der Region zum Schutz dieser Tierart aktiv ist.
Wildtiere als lustiger, niedlicher Content auf Social Media
Die Sozialen Medien machen leider einen großen Teil des Problems aus: Fotos von Begegnungen und Interaktionen mit Wildtieren, ob niedlich, witzig oder außergewöhnlich, weil besonders selten, befeuern die Nachfrage. Bevor man also ein Foto oder Video likt, sollte man sich genau dieselben Fragen stellen wie vor dem eigenen Besuch einer touristischen Aktivität mit Wildtieren. Zeigt das Bild eine nicht artgerechte oder quälerische Interaktion, gilt: Nicht den Algorithmus füttern! Also: KEIN Like oder Teilen und auch KEIN Kommentar (egal ob er negativ ist). Denn das macht den Beitrag nur populärer und erhöht die Reichweite. Stattdessen: Melden Sie den Beitrag beim Betreiber der Plattform. Ausführlicher informieren wir hier über das richtige Verhalten im Umgang mit Wildtier-Content auf Social Media.
Schlechte Bewertung bei Google und anderen touristischen Bewertungsplattformen
Bewerten sie solche touristischen Angebote negativ und kommentieren sie auch gerne kritisch. Weisen Sie auch Ihren Reiseveranstalter auf Missstände hin.
Aufklärung hilft gegen Tierleid: Erzählen Sie es weiter!
Sprechen Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis über touristische Angebote mit Wildtieren machen Sie auf die oben genannten Probleme aufmerksam! Sehr viele Menschen sind sich dessen gar nicht bewusst, dass derartige Urlaubsangebote mit viel Leid für die beteiligten Tiere verbunden sind. Nur wer es besser weiß, kann es auch besser machen!
Gerade noch war unser Geschäftsführer Daniel Merdes Zeuge der Auswilderung von Kapuan. Ein Orang-Utan-Weibchen, das wir 2006 aus dem Freizeitpark Safari World in Bangkok befreit hatten. Nach langen Jahren der Rehabilitation war sie die 14. der damals zurückgeholten 48 Orang-Utans, die es bis zur Auswilderung geschafft haben. Seine Asienreise wollte Daniel Merdes jetzt nutzen, um sich selbst ein Bild der berüchtigten Orang-Utan-Shows zu machen, aus denen Kapuan gerettet wurde. Hier berichtet er aus Phnom Penh Safari, einem Zoo in Kambodscha.
An einem sonnigen Freitag machte ich mich auf die Suche nach den boxenden Orang-Utans, von denen ich schon so viel hören konnte.
Vorsicht vor der Tierhandel-Mafia
Vorausgegangen waren langjährige tiefe Recherchen und einige Besuche bei Organisationen in Bangkok, Singapur und Phnom Penh. Sie alle rieten mir zur Vorsicht, denn wer sich mit der Tierhandel-Mafia anlegt, der bekommt schnell Schwierigkeiten. Und für mich als Westler sind die kriminellen Verbindungen in Politik, Militär und Polizei unmöglich zu durchblicken. In Deutschland ist der Gang zur Polizei der Versuch einer Lösung, hier kann es der Anfang vom Ende sein. Deswegen verkleidete ich mich als sensationsgieriger Tourist und benutzte eine möglichst unauffällige Kamera. Leider auf Kosten der Qualität, aber ich wollte das Risiko so gering wie möglich halten.
Der Phnom Penh Safari Zoo ist eine halbe Stunde außerhalb der Stadt, in einem neu erschlossenen Gebiet. Hier ist der Focus klar auf Unterhaltung für die gehobene Mittelschicht aufwärts. Gegenüber ist ein Wasserpark mit einem angeschlossenem Hotelkomplex. Aber insbesondere mit dem Safari-Park Konzept werden auch Touristinnen und Touristen aus aller Welt angezogen. Jede volle Stunde gibt es eine neue Liveshow: Tiger, die durch brennende Reifen springen, Elefanten, die Fußball spielen und Orang-Utans, die Einrad fahren. Das Motto ist grenzenloser Spaß für die ganze Familie.
Ein Orang-Utan fährt mit dem Fahrrad durch den Phnom Penh Safari Zoo und sammelt Geld bei den Besucherinnen und Besuchern
Für mich ging es bereits verstört nach der Elefantenshow hinter einer riesigen Gruppe von Privatschülern der Cambridge International School Phnom Penh zum Höhepunkt des Tages – der Orang-Utan-Show. Auf dem Weg versuchte ich mit den britischen Lehrern ins Gespräch zu kommen. Sie fanden den Schulausflug gelungen und aufgrund mangelnder Alternativen für Kinder in der Hauptstadt auch eine hervorragende Idee. An einer von mir angebotenen Veranstaltung zu wilden Orang-Utans waren sie ebenso interessiert. Auch hier erlebte ich das gleiche wie im Zoo in Dubai: Es fehlte schlichtweg jegliches Wissen und Grundbildung zu ihren wildlebenden Verwandten. Aber auch dieses letzte Quäntchen Empathie, dass hier irgendwas nicht stimmen kann. Diese negative Aura des Zwangs, die ich als junger Mann spürte, dem ein Elefantenritt in Thailand spendiert wurde.
Die Show war vor allem eines: Laut. Ohrenbetäubende Musik, oftmals rhythmisch, damit die weiblichen Orang-Utans sexualisierende Popobewegungen machen konnten/mussten. Das Publikum tobte, darunter nicht wenige westliche Touristen. Ich hörte viel Russisch und Englisch und auch bei den anschließenden – bezahlten – Fotomöglichkeiten mit „lustigen“ Affengrimassen waren die Touristen weit vorne. Leider ergaben sich hier keine Gespräche, da gleich weitergeeilt wurde.
Der Orang-Utan tanzt, das Publikum tobtUnd am Ende der Show noch schnell ein Foto mit den Show-Orang-Utans
Dafür konnte ich mit den kambodschanischen Orang-Utan-Pflegern kurz sprechen. „Warum es denn die Box-Shows nicht mehr gäbe?“ Verlegenes Lächeln und vorsichte Erklärungsversuche, aus denen ich heraushören konnte, dass gerade die Box-Shows Probleme machen würden. D.h. es gab zumindest diesen Hoffnungsschimmer, dass unsere Aufklärungsarbeit nicht vergebens ist und der Protest doch Spuren hinterlassen hat. So sind auch die Orang-Utan-Shows in Bangkok für Jahre komplett eingestellt worden. Nur leider wurde aktuell berichtet, dass sie wieder stattfinden. Es gibt also noch viel zu tun.
Und ging die Tarnung auf? Anfangs noch sehr gut, aber als ich nach der Orang-Utan-Show als letzter Besucher immer noch filmte und versuchte in Gespräche zu kommen, schloss sich hinter mir langsam ein Halbkreis von kambodschanischen Männern in Safari-Shirts, die immer weniger freundlich blickten. Ich versuchte mit schlechten Witzen die Stimmung ins Komische abzugraden, was mir sogar teilweise gelang. Es ist immer besser dümmlich zu wirken als gefährlich. Apropos, es wurde nun auch schlagartig dunkel und ich quetschte mich zwischen den Männern im Laufschritt zum Ausgang. Die Kamera fest an mich gedrückt – sollte ich etwas abbekommen, so musste ich doch um jeden Preis die Aufnahmen in die Stadt retten. Aber unerwarteterweise flog mir nichts hinterher und ich sprang ins wartende TukTuk, das ich am Morgen bereits bestellt hatte. Ein letzter Blick zurück in diesen dunklen Ort lies mich erschauern: Ich konnte ihn verlassen, aber traurige Affen lies ich zurück.
Vor einigen Wochen nutzte unser Geschäftsführer Daniel Merdes seine Reise nach Indonesien für einen Zwischenstopp in Dubai. Sein Ziel: The Zoo Wildlife Park im benachbarten Emirat Umm al-Quwain. Eine der Hauptattraktionen des Parks ist Orang-Utan-Weibchen Habouba, die nicht nur im Zoo, sondern auch in den Sozialen Medien ein Star ist. Denn Treffen mit Habouba sind für Gäste des Parks möglich. Hier berichtet Daniel Merdes von seinem verstörenden Besuch.
Im Mai 2024 sah ich Habouba das erste Mal. Mit weitaufgerissenen Augen blickte sie vom Beifahrersitz in die Kamera, eine junge hübsche Orang-Utan Dame. Daneben ein Instagram tauglicher Schönling mit stolzem Blick. Wie oft habe ich das Foto betrachtet – ein Kunstwerk in sich. Die offensichtliche Falschheit des Moments ließen mich nicht mehr los. Wir veröffentlichten das Foto auf unseren Netzwerken, starteten eine Petition, versuchten weitere Informationen zu erlangen. Von der BOS-Community kamen viele Nachfragen, aber in im Emirat blieb Funkstille, niemand wollte mit mir über Habouba sprechen.
Haboubas trauriger Alltag
Ende 2025 nutze ich den Zwischenstopp nach Indonesien für die Suche nach Habouba. Ich fand sie in einem privaten Zoo außerhalb der Stadt, mitten in der Wüste unter brennender Sonne, sah ich sie schon von Weitem in der Ecke sitzen. Den Schatten suchend, wurde sie von einer russischen Touristenfamilie belagert. Offensichtlich war Habouba bereits am Morgen alles zu viel und sie blickte genervt in die aufgeregten Gesichter. Ich kam schnell ins Gespräch mit ihrem Wärter, einem patenten und freundlichen Mann aus Sierra Leone, der sich sichtlich über die Touristen aufregte.
Ein Foto mit Habouba. Szene aus dem Arbeitstag des Orang-Utans
Wir freundeten uns an, er erzählte mir nicht nur seine Lebensgeschichte, sondern auch von seiner Sorge um Habouba. Warum können die Touristen sie nicht manchmal auch in Ruhe lassen? Sie könnten doch sehen, wenn sie nicht wolle. Mit Wollen war die Hauptattraktion des Zoos gemeint: Hand in Hand mit einem Orang-Utan spazieren zu gehen. Im Blitzlichtgewitter der angeheuerten Fotografen und der stolzen Familie. Social-Media-Foto des Jahres oder doch nur dummdreiste Eitelkeiten. Habouba mag das Händchenhalten nur bedingt und macht gute Miene zum verblödeten Spiel, wird sie doch danach mit Tüttensuppen aus dem Kiosk belohnt.
Arbeitspause für Habouba mit ihrem Wärter
Früher fuhr sie wohl auch noch Auto und kletterte auf Bäume, aber nein, das wolle man nicht mehr. Ich würde eher sagen, das schafft sie auch nicht mehr. Ein zuvor vereinbarter Termin mit dem Zoobesitzer platze in letzter Minute. Ich hatte mich unter fadenscheinigen Argumenten als Primatenexperte wichtig gemacht. Hoffte auf Dialog, aber offensichtlich wurde mein hartnäckiges Nachfragen und Rumlungern nach oben weitergegeben. Oder fiel schlichtweg auf, dass ich als Einziger keinen Körperkontakt zu Habouba suchte?
Umlagert von Touristen: Orang-Utan-Dame Habouba
Mehrfach versuchte ich den Zoo zu verlassen, konnte mich aber – wie vom Foto – einfach nicht lösen. Immer wieder kam ich zurück und suchte die Nähe des Affen und seines afrikanischen Freundes. In all der Kaputtheit der Szenerie war ich doch irgendwie froh, dass Habouba nicht alleine war. Fast verpasste ich noch meinen Flug und verbrachte eine nachdenkliche Nacht im Flieger nach Indonesien. Welche Chancen hätte eine übergewichtige Affendame in ihrem Heimatland? Würde sie jemals wieder lernen, auf Bäume zu klettern und Nahrung zu finden. Hatte sie noch Bilder der Freiheit im Kopf, kurz bevor sie aus ihrer Heimat entführt wurde?
Nach einer schlaflosen Nacht landete der Flieger und ich fuhr direkt in den immergrünen Wald Borneos: leider allein.
Der Mensch macht Jagd auf Affenbabys. Kleine Schimpansen und Orang-Utans sind beliebt, Prominente und Influencer posieren mit ihnen auf Instagram. Und auch die Zoos weltweit sind hungrig und brauchen immer neuen Nachschub. Doch woher kommen die Tiere? Reporter Michel Abdollahi macht sich auf die Suche nach weltweiten Netzwerken des kriminellen Affenhandels. Im kongolesischen Regenwald sucht er die letzten Bonobos und erhält am Rande eines Marktes ein illegales Angebot. Händler wollen ihm ein Jungtier verkaufen. Solche Geschäfte sind hier schon fast alltäglich. Auch in Thailand wird Michel Abdollahi Zeuge eines illegalen Tierraubes. In einem Zoo, der auf dem Dach eines Kaufhauses untergebracht ist, entdeckt er einen streng geschützten Bonobo. Es ist eine kleine Sensation. Sogar die berühmte britische Primatenforscherin Jane Goodall, die sich für den Schutz und Erhalt von Affen einsetzt, reist an und zeigt sich erschüttert. Bonobos sind vom Aussterben bedroht. „Es bricht mir das Herz, diese unschuldigen Affen in Käfigen zu sehen. Sie haben nichts verbrochen“, sagt Goodall. Warum ist dies alles möglich? Das internationale Vertragswerk CITES soll bedrohte Tierarten schützen. Doch das Abkommen ist offenbar vielfach wirkungslos. Das zeigt sich auch im Fall des geklauten Bonobos. Trotz der Meldung an die CITES-Leitung lebt das Tier weiterhin in Gefangenschaft. Er ist eines von Tausenden Opfern des illegalen Handels mit der nächsten verwandten Art des Menschen in der Natur.
Weiterer Sendetermin: Di 3. September, 16:00 Uhr, ARD-alpha
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