TV-Tipp: Terra X — Faszi­na­tion Erde “Borneo — Zurück in die Wildnis”

TV-Tipp: Terra X — Faszi­na­tion Erde “Borneo — Zurück in die Wildnis”

So. 29.03.2026, 19:30 Uhr, ZDF

Hannah Emde — Tier­ärztin, Arten­schüt­zerin und Mode­ra­torin von „Terra X: Faszi­na­tion Erde“ — durfte im November 2025 eine unserer Auswil­de­rungen begleiten. Sie war dabei, als wir die Orang-Utan-Weib­chen Kapuan und Putri und das Orang-Utan-Männ­chen Ficz in die Frei­heit des Natio­nal­parks Bukit Baka Bukit Raya entlassen konnten. Auf dieses Aben­teuer nimmt Hannah Emde die Zuschaue­rinnen und Zuschauer in der neuesten Ausgabe von “Faszi­na­tion Erde: Borneo — Zurück in die Wildnis” mit.

Kapuan ist ein Opfer des ille­galen Wild­tier­han­dels. 2006 konnte die BOS Foun­da­tion sie aus einem Leben als Show-Orang-Utan in Thai­land befreien. Fast 20 Jahre Reha­bi­li­ta­tion waren nötig, ehe Kapuan bereit für ein selbst­stän­diges Leben im Regen­wald war. Auch Hannah Emde machte sich während der Dreh­ar­beiten zu “Faszi­na­tion Erde” auf die dunkle Spur der Wildtierhändler.

Auf Borneo war sie außerdem zu Gast in der BOS-Wald­schule in Nyaru Menteng, um den Orang-Utan-Waisen beim Lernen zuzu­schauen. Und sie stat­tete der BOS-Forschungs­sta­tion Tuanan in Mawas einen Besuch ab. Hier erfuhr sie mehr über die wich­tige Rolle, die Orang-Utans im Ökosystem Regen­wald spielen. 

Auch in der ZDF-Media­thek ist die Folge “Borneo — Zurück in die Wildnis” abrufbar.

Hannah Emde zu Gast bei “3nach9”

Schon am Freitag, 27.03.2026 ist Hannah Emde zu Gast in der Talk­show “3nach9”. Hier darf sie Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo von ihrer Arbeit und der aben­teu­er­li­chen Reise nach Borneo berichten. 

Fr. 27.03.20206, 22:45 Uhr, NDR, WDR & hr

Urlaub ohne Tierleid

Urlaub ohne Tierleid

Auch im Tourismus gilt: Die Nach­frage bestimmt das Angebot. Und die Nach­frage nach Begeg­nungen, Attrak­tionen und Unter­hal­tungs­an­ge­boten mit Wild­tieren ist groß. Welches Leid für die oft seltenen und bedrohten Tiere dahin­ter­steckt, ist Besu­che­rinnen und Besu­chern selten bewusst – und manchmal schwierig zu durch­schauen. Ob es sich um ein gutes oder ein schlechtes und für die Tierart gefähr­li­ches Angebot handelt? Unsere Check­liste hilft bei der Einschät­zung, welche touris­ti­schen Ange­bote Sie meiden sollten, um Tier­leid zu verhindern.

Das Inter­esse an Wild­tieren und der Wunsch, ihnen zu begegnen ist nicht per se schlecht. Was der Mensch kennt und liebt, das möchte er umso mehr beschützen. Im besten Fall sind touris­ti­sche Ange­bote so konzi­piert, dass sie den Arten­schutz stärken: Durch Infor­ma­tion, Aufklä­rung und viel­leicht sogar der finan­zi­ellen Unter­stüt­zung eines Arten­schutz­pro­jektes. Die Samboja Lodge neben dem BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari ist beispiels­weise ein solches Angebot.

Orang-Utan-Show in Phnom Penh Safari Zoo in Kambodscha
Jeden Tag leiden die Orang-Utans im Phnom Penh Safari Zoo in Kambo­dscha. Zur Belus­ti­gung des begeis­terten Publikums

Orang-Utans, die auf einer Bühne in Menschen­klei­dung eine alberne Show ablie­fern müssen, sind hingegen mit aller­größter Wahr­schein­lich­keit Opfer des Wild­tier­han­dels. Vermut­lich wurden sie als Babys ihren getö­teten Müttern entrissen. Viel­leicht wurden sie in einem Zoo gezüchtet. Auf jeden Fall besteht ihr Dasein aus Qual und Leid und ist nicht artge­recht. Doch Parks, die solche Tier-Shows anbieten, sind beliebt und werden auch von Touris­tinnen und Touristen aus Europa gern besucht. Gibt es dann auch noch Inter­ak­ti­ons­an­ge­bote wie Foto­mög­lich­keiten, Fütte­rungen oder gar gemein­same Spazier­gänge, klin­geln garan­tiert die Kassen der Anbieter.

Orang-Utan Habouba im The Zoo Wildlife Park – Umm al Quwain
Im The Zoo Wild­life Park – Umm al Quwain arbeitet Orang-Utan-Weib­chen Habouba Tag für Tag zur Bespa­ßung der Besu­che­rinnen und Besucher

Hand­lungs­emp­feh­lungen, um ille­galen Wild­tier­handel und Tier­quä­lerei zu verhin­dern
Der ille­gale Handel mit Wild­tieren hat sich in den vergan­genen Jahr­zehnten zu einem global orga­ni­sierten Verbre­chen entwi­ckelt, das in einer Reihe mit Drogen‑, Menschen- und Waffen­handel steht. Er gene­riert pro Jahr geschätzte 20 Milli­arden Euro Umsatz und stellt die zweit­größte Bedro­hung für vom Aussterben bedrohte Arten dar (nach dem Verlust des Lebens­raumes auf Platz 1).
Es gibt unzäh­lige touris­ti­sche Ange­bote welt­weit, die beliebt und seit Jahren etabliert sind, die man als aufmerk­samer, tier­lieber Mensch meiden sollte, um das Geschäft mit Wilderei und Tier­leid nicht weiter zu unterstützen.

Check­liste: Ist dieses touris­ti­sche Angebot artge­recht oder grausam?

Wir haben daher eine Check­liste zusam­men­ge­stellt, die Ihnen bei der Beur­tei­lung hilft. Damit Sie eine bewusste, gute Entschei­dung für oder gegen einen Besuch oder eine Buchung treffen können. Und so dazu beitragen, ille­galen Wild­tier­handel und Tier­quä­lerei zu verhindern.

  1. Befindet sich das Wild­tier in seinem natür­li­chen Lebensraum?

Wenn ja: Wie findet die Begeg­nung zwischen Touristen und dem Wild­tier statt? Kann es sich jeder­zeit aus der Situa­tion entfernen? Gibt es Erklä­rungen und Regeln für die Touristen bezüg­lich des rich­tigen Verhal­tens, um die wild­le­benden Tiere möglichst wenig zu stören? Oder wird man als Besu­cher womög­lich dazu ermu­tigt, mit dem Wild­tier zu inter­agieren, etwa um es zu füttern oder ein gemein­sames Foto zu machen?

  1. Das Wild­tier lebt nicht frei, sondern wird in einem Gehege gehalten

Infor­mieren Sie sich über die natür­li­chen Lebens­weisen der Tiere. Je mehr Sie wissen, desto leichter erkennen Sie, ob die Haltung des Tieres artge­recht ist oder nicht. Wenn Infor­ma­tionen über das gehal­tene Tier wie etwa sein natür­li­cher Lebens­raum, Lebens­weise und even­tu­elle Bedro­hungen für die Tierart nicht ohnehin Bestand­teil des Ange­bots sind – fragen Sie ruhig nach! Ein seriöser touris­ti­scher Anbieter wird Ihnen gerne mehr Infor­ma­tionen über das Lebe­wesen in seiner Obhut geben. NO GO: Wenn ein Wild­tier sein Gehege verlassen muss, um mit Besu­chern zu inter­agieren – siehe Punkt 3.

  1. Shows und Foto­mög­lich­keiten mit Wildtieren

Besu­chen Sie auf Urlaubs­reisen keine Orte, an denen Wild­tiere zu dem Zweck gehalten werden, dass sie eine Dienst­leis­tung für Menschen erbringen oder zu nicht artge­rechten Inter­ak­tionen mit Menschen ange­halten bzw. gezwungen werden. Dazu gehören beispiels­weise Shows, in denen Wild­tiere vorge­führt werden, und Foto­an­ge­bote, bei denen die Menschen den Wild­tieren nahekommen.

  1. Wird das Tier vermenschlicht?

Diese Faust­regel gilt auch für Haus­tiere, umso mehr jedoch für Wild­tiere: Wird das Tier vermensch­licht, so handelt es sich nicht um eine artge­rechte Haltung. Wenn ein Orang-Utan in Hemd und Hose ein Golf­cart fährt oder man einen kleinen Schim­pansen in Baby­klei­dung auf den Arm nehmen und knud­deln darf, dann ist das nicht „Oh wie süß!“ oder ein witziges Motiv für Social Media (siehe Punkt 7), sondern eine Quälerei für die Tiere, löst Verhal­tens­stö­rungen aus und verkürzt womög­lich sogar die Lebens­zeit des Tieres.

Orang-Utan in Phnom Penh Safari Zoo in Kambodscha fährt Fahrrad
Ein Orang-Utan fährt mit dem Fahrrad durch den Phnom Penh Safari Zoo und sammelt Geld bei den Besu­che­rinnen und Besuchern

  1. Tue ich dem Tier durch meinen Besuch etwas Gutes?

Auch touris­ti­sche Ange­bote, bei denen man den Tieren vermeint­lich etwas Gutes tut, sollte man zunächst kritisch betrachten. Zur Einord­nung und Bewer­tung helfen folgende Fragen: Wird das Tier wie ein Haus­tier behan­delt – und wenn ja, handelt es sich tatsäch­lich um ein Haus­tier oder um ein Wild­tier? Ist es ein natür­li­ches Verhalten des Tieres, das für das touris­ti­sche Angebot „genutzt“ wird, oder ist es wider­na­tür­lich und nicht artge­recht? Kann das Tier die Situa­tion verlassen, wenn es genug hat? Wenn es sich um Jung­tiere handelt: Was passiert mit ihnen, wenn sie größer werden und nicht mehr nied­lich sind?

  1. Handelt es sich bei dem Wild­tier um eine seltene oder bedrohte Art?

Der Handel mit seltenen und vom Aussterben bedrohten Arten ist aus nahe­lie­genden Gründen verboten. Trotzdem passiert er. Und ist eine massive Bedro­hung für den Arten­schutz. Sollte Ihnen, etwa auf einer Urlaubs­reise, ein seltenes Wild­tier im Rahmen einer touris­ti­schen Akti­vität begegnen oder sogar zum Kauf ange­boten werden, so lehnen Sie freund­lich ab. Wenn es Ihnen möglich ist und Sie sich damit nicht in Gefahr begeben, so infor­mieren Sie bitte direkt im Anschluss die zustän­digen Behörden vor Ort und/oder eine NGO, die in der Region zum Schutz dieser Tierart aktiv ist.

  1. Wild­tiere als lustiger, nied­li­cher Content auf Social Media

Die Sozialen Medien machen leider einen großen Teil des Problems aus: Fotos von Begeg­nungen und Inter­ak­tionen mit Wild­tieren, ob nied­lich, witzig oder außer­ge­wöhn­lich, weil beson­ders selten, befeuern die Nach­frage. Bevor man also ein Foto oder Video likt, sollte man sich genau dieselben Fragen stellen wie vor dem eigenen Besuch einer touris­ti­schen Akti­vität mit Wild­tieren. Zeigt das Bild eine nicht artge­rechte oder quäle­ri­sche Inter­ak­tion, gilt: Nicht den Algo­rithmus füttern! Also: KEIN Like oder Teilen und auch KEIN Kommentar (egal ob er negativ ist). Denn das macht den Beitrag nur popu­lärer und erhöht die Reich­weite. Statt­dessen: Melden Sie den Beitrag beim Betreiber der Platt­form. Ausführ­li­cher infor­mieren wir hier über das rich­tige Verhalten im Umgang mit Wild­tier-Content auf Social Media.

  1. Schlechte Bewer­tung bei Google und anderen touris­ti­schen Bewertungsplattformen

Bewerten sie solche touris­ti­schen Ange­bote negativ und kommen­tieren sie auch gerne kritisch. Weisen Sie auch Ihren Reise­ver­an­stalter auf Miss­stände hin.

  1. Aufklä­rung hilft gegen Tier­leid: Erzählen Sie es weiter!

Spre­chen Sie in Ihrem Freundes- und Bekann­ten­kreis über touris­ti­sche Ange­bote mit Wild­tieren machen Sie auf die oben genannten Probleme aufmerksam! Sehr viele Menschen sind sich dessen gar nicht bewusst, dass derar­tige Urlaubs­an­ge­bote mit viel Leid für die betei­ligten Tiere verbunden sind. Nur wer es besser weiß, kann es auch besser machen!

Under­cover in der Orang-Utan-Show

Under­cover in der Orang-Utan-Show

Gerade noch war unser Geschäfts­führer Daniel Merdes Zeuge der Auswil­de­rung von Kapuan. Ein Orang-Utan-Weib­chen, das wir 2006 aus dem Frei­zeit­park Safari World in Bangkok befreit hatten. Nach langen Jahren der Reha­bi­li­ta­tion war sie die 14. der damals zurück­ge­holten 48 Orang-Utans, die es bis zur Auswil­de­rung geschafft haben. Seine Asien­reise wollte Daniel Merdes jetzt nutzen, um sich selbst ein Bild der berüch­tigten Orang-Utan-Shows zu machen, aus denen Kapuan gerettet wurde. Hier berichtet er aus Phnom Penh Safari, einem Zoo in Kambodscha.

An einem sonnigen Freitag machte ich mich auf die Suche nach den boxenden Orang-Utans, von denen ich schon so viel hören konnte.

Vorsicht vor der Tierhandel-Mafia

Voraus­ge­gangen waren lang­jäh­rige tiefe Recher­chen und einige Besuche bei Orga­ni­sa­tionen in Bangkok, Singapur und Phnom Penh. Sie alle rieten mir zur Vorsicht, denn wer sich mit der Tier­handel-Mafia anlegt, der bekommt schnell Schwie­rig­keiten. Und für mich als Westler sind die krimi­nellen Verbin­dungen in Politik, Militär und Polizei unmög­lich zu durch­bli­cken. In Deutsch­land ist der Gang zur Polizei der Versuch einer Lösung, hier kann es der Anfang vom Ende sein.
Deswegen verklei­dete ich mich als sensa­ti­ons­gie­riger Tourist und benutzte eine möglichst unauf­fäl­lige Kamera. Leider auf Kosten der Qualität, aber ich wollte das Risiko so gering wie möglich halten.

Der Phnom Penh Safari Zoo ist eine halbe Stunde außer­halb der Stadt, in einem neu erschlos­senen Gebiet. Hier ist der Focus klar auf Unter­hal­tung für die geho­bene Mittel­schicht aufwärts. Gegen­über ist ein Wasser­park mit einem ange­schlos­senem Hotel­kom­plex. Aber insbe­son­dere mit dem Safari-Park Konzept werden auch Touris­tinnen und Touristen aus aller Welt ange­zogen. Jede volle Stunde gibt es eine neue Live­show: Tiger, die durch bren­nende Reifen springen, Elefanten, die Fußball spielen und Orang-Utans, die Einrad fahren. Das Motto ist gren­zen­loser Spaß für die ganze Familie.

Orang-Utan in Phnom Penh Safari Zoo in Kambodscha fährt Fahrrad
Ein Orang-Utan fährt mit dem Fahrrad durch den Phnom Penh Safari Zoo und sammelt Geld bei den Besu­che­rinnen und Besuchern

Für mich ging es bereits verstört nach der Elefan­ten­show hinter einer riesigen Gruppe von Privat­schü­lern der Cambridge Inter­na­tional School Phnom Penh zum Höhe­punkt des Tages – der Orang-Utan-Show. Auf dem Weg versuchte ich mit den briti­schen Lehrern ins Gespräch zu kommen. Sie fanden den Schul­aus­flug gelungen und aufgrund mangelnder Alter­na­tiven für Kinder in der Haupt­stadt auch eine hervor­ra­gende Idee. An einer von mir ange­bo­tenen Veran­stal­tung zu wilden Orang-Utans waren sie ebenso inter­es­siert. Auch hier erlebte ich das gleiche wie im Zoo in Dubai: Es fehlte schlichtweg jegli­ches Wissen und Grund­bil­dung zu ihren wild­le­benden Verwandten. Aber auch dieses letzte Quänt­chen Empa­thie, dass hier irgendwas nicht stimmen kann. Diese nega­tive Aura des Zwangs, die ich als junger Mann spürte, dem ein Elefan­ten­ritt in Thai­land spen­diert wurde.

Orang-Utans machen sexua­li­sie­rende Popobewegungen

Die Show war vor allem eines: Laut. Ohren­be­täu­bende Musik, oftmals rhyth­misch, damit die weib­li­chen Orang-Utans sexua­li­sie­rende Popo­be­we­gungen machen konnten/mussten. Das Publikum tobte, darunter nicht wenige west­liche Touristen. Ich hörte viel Russisch und Englisch und auch bei den anschlie­ßenden – bezahlten – Foto­mög­lich­keiten mit „lustigen“ Affen­gri­massen waren die Touristen weit vorne. Leider ergaben sich hier keine Gespräche, da gleich weiter­ge­eilt wurde.

Dafür konnte ich mit den kambo­dscha­ni­schen Orang-Utan-Pfle­gern kurz spre­chen. „Warum es denn die Box-Shows nicht mehr gäbe?“ Verle­genes Lächeln und vorsichte Erklä­rungs­ver­suche, aus denen ich heraus­hören konnte, dass gerade die Box-Shows Probleme machen würden. D.h. es gab zumin­dest diesen Hoff­nungs­schimmer, dass unsere Aufklä­rungs­ar­beit nicht verge­bens ist und der Protest doch Spuren hinter­lassen hat. So sind auch die Orang-Utan-Shows in Bangkok für Jahre komplett einge­stellt worden. Nur leider wurde aktuell berichtet, dass sie wieder statt­finden. Es gibt also noch viel zu tun.

Und ging die Tarnung auf? Anfangs noch sehr gut, aber als ich nach der Orang-Utan-Show als letzter Besu­cher immer noch filmte und versuchte in Gespräche zu kommen, schloss sich hinter mir langsam ein Halb­kreis von kambo­dscha­ni­schen Männern in Safari-Shirts, die immer weniger freund­lich blickten. Ich versuchte mit schlechten Witzen die Stim­mung ins Komi­sche abzu­graden, was mir sogar teil­weise gelang. Es ist immer besser dümm­lich zu wirken als gefähr­lich. Apropos, es wurde nun auch schlag­artig dunkel und ich quetschte mich zwischen den Männern im Lauf­schritt zum Ausgang. Die Kamera fest an mich gedrückt – sollte ich etwas abbe­kommen, so musste ich doch um jeden Preis die Aufnahmen in die Stadt retten. Aber uner­war­te­ter­weise flog mir nichts hinterher und ich sprang ins wartende TukTuk, das ich am Morgen bereits bestellt hatte. Ein letzter Blick zurück in diesen dunklen Ort lies mich erschauern: Ich konnte ihn verlassen, aber trau­rige Affen lies ich zurück.

Stehen Sie den Show-Orang-Utans bei.

Die einsame Habouba

Die einsame Habouba

Vor einigen Wochen nutzte unser Geschäfts­führer Daniel Merdes seine Reise nach Indo­ne­sien für einen Zwischen­stopp in Dubai. Sein Ziel: The Zoo Wild­life Park im benach­barten Emirat Umm al-Quwain. Eine der Haupt­at­trak­tionen des Parks ist Orang-Utan-Weib­chen Habouba, die nicht nur im Zoo, sondern auch in den Sozialen Medien ein Star ist. Denn Treffen mit Habouba sind für Gäste des Parks möglich. Hier berichtet Daniel Merdes von seinem verstö­renden Besuch.

Im Mai 2024 sah ich Habouba das erste Mal. Mit weit­auf­ge­ris­senen Augen blickte sie vom Beifah­rer­sitz in die Kamera, eine junge hübsche Orang-Utan Dame. Daneben ein Insta­gram taug­li­cher Schön­ling mit stolzem Blick. Wie oft habe ich das Foto betrachtet – ein Kunst­werk in sich. Die offen­sicht­liche Falsch­heit des Moments ließen mich nicht mehr los. Wir veröf­fent­lichten das Foto auf unseren Netz­werken, star­teten eine Peti­tion, versuchten weitere Infor­ma­tionen zu erlangen. Von der BOS-Commu­nity kamen viele Nach­fragen, aber in im Emirat blieb Funk­stille, niemand wollte mit mir über Habouba sprechen.

Haboubas trau­riger Alltag

Ende 2025 nutze ich den Zwischen­stopp nach Indo­ne­sien für die Suche nach Habouba. Ich fand sie in einem privaten Zoo außer­halb der Stadt, mitten in der Wüste unter bren­nender Sonne, sah ich sie schon von Weitem in der Ecke sitzen. Den Schatten suchend, wurde sie von einer russi­schen Touris­ten­fa­milie bela­gert. Offen­sicht­lich war Habouba bereits am Morgen alles zu viel und sie blickte genervt in die aufge­regten Gesichter. Ich kam schnell ins Gespräch mit ihrem Wärter, einem patenten und freund­li­chen Mann aus Sierra Leone, der sich sicht­lich über die Touristen aufregte.

Orang-Utan Habouba im The Zoo Wildlife Park – Umm al Quwain
Ein Foto mit Habouba. Szene aus dem Arbeitstag des Orang-Utans

Wir freun­deten uns an, er erzählte mir nicht nur seine Lebens­ge­schichte, sondern auch von seiner Sorge um Habouba. Warum können die Touristen sie nicht manchmal auch in Ruhe lassen? Sie könnten doch sehen, wenn sie nicht wolle. Mit Wollen war die Haupt­at­trak­tion des Zoos gemeint: Hand in Hand mit einem Orang-Utan spazieren zu gehen. Im Blitz­licht­ge­witter der ange­heu­erten Foto­grafen und der stolzen Familie. Social-Media-Foto des Jahres oder doch nur dumm­dreiste Eitel­keiten. Habouba mag das Händ­chen­halten nur bedingt und macht gute Miene zum verblö­deten Spiel, wird sie doch danach mit Tütten­suppen aus dem Kiosk belohnt.

Orang-Utan Habouba im The Zoo Wildlife Park – Umm al Quwain
Arbeits­pause für Habouba mit ihrem Wärter

Früher fuhr sie wohl auch noch Auto und klet­terte auf Bäume, aber nein, das wolle man nicht mehr. Ich würde eher sagen, das schafft sie auch nicht mehr. Ein zuvor verein­barter Termin mit dem Zoobe­sitzer platze in letzter Minute. Ich hatte mich unter faden­schei­nigen Argu­menten als Prima­ten­ex­perte wichtig gemacht. Hoffte auf Dialog, aber offen­sicht­lich wurde mein hart­nä­ckiges Nach­fragen und Rumlun­gern nach oben weiter­ge­geben. Oder fiel schlichtweg auf, dass ich als Einziger keinen Körper­kon­takt zu Habouba suchte?

Orang-Utan Habouba im The Zoo Wildlife Park – Umm al Quwain
Umla­gert von Touristen: Orang-Utan-Dame Habouba

Mehr­fach versuchte ich den Zoo zu verlassen, konnte mich aber – wie vom Foto – einfach nicht lösen. Immer wieder kam ich zurück und suchte die Nähe des Affen und seines afri­ka­ni­schen Freundes. In all der Kaputt­heit der Szenerie war ich doch irgendwie froh, dass Habouba nicht alleine war. Fast verpasste ich noch meinen Flug und verbrachte eine nach­denk­liche Nacht im Flieger nach Indo­ne­sien. Welche Chancen hätte eine über­ge­wich­tige Affen­dame in ihrem Heimat­land? Würde sie jemals wieder lernen, auf Bäume zu klet­tern und Nahrung zu finden. Hatte sie noch Bilder der Frei­heit im Kopf, kurz bevor sie aus ihrer Heimat entführt wurde?

Nach einer schlaf­losen Nacht landete der Flieger und ich fuhr direkt in den immer­grünen Wald Borneos: leider allein.

Helfen Sie den Orang-Utans, die ein Opfer des Wild­tier­han­dels geworden sind.

TV-Tipp: Terra X — Faszi­na­tion Erde “Borneo — Zurück in die Wildnis”

TV-Tipp: Planet ohne Affen

Mo 2. September, 21:45 Uhr, ARD-alpha

Der Mensch macht Jagd auf Affen­babys. Kleine Schim­pansen und Orang-Utans sind beliebt, Promi­nente und Influencer posieren mit ihnen auf Insta­gram. Und auch die Zoos welt­weit sind hungrig und brau­chen immer neuen Nach­schub. Doch woher kommen die Tiere?
Reporter Michel Abdol­lahi macht sich auf die Suche nach welt­weiten Netz­werken des krimi­nellen Affen­han­dels. Im kongo­le­si­schen Regen­wald sucht er die letzten Bonobos und erhält am Rande eines Marktes ein ille­gales Angebot. Händler wollen ihm ein Jung­tier verkaufen. Solche Geschäfte sind hier schon fast alltäg­lich.
Auch in Thai­land wird Michel Abdol­lahi Zeuge eines ille­galen Tier­raubes. In einem Zoo, der auf dem Dach eines Kauf­hauses unter­ge­bracht ist, entdeckt er einen streng geschützten Bonobo. Es ist eine kleine Sensa­tion. Sogar die berühmte briti­sche Prima­ten­for­scherin Jane Goodall, die sich für den Schutz und Erhalt von Affen einsetzt, reist an und zeigt sich erschüt­tert. Bonobos sind vom Aussterben bedroht. „Es bricht mir das Herz, diese unschul­digen Affen in Käfigen zu sehen. Sie haben nichts verbro­chen“, sagt Goodall. Warum ist dies alles möglich?
Das inter­na­tio­nale Vertrags­werk CITES soll bedrohte Tier­arten schützen. Doch das Abkommen ist offenbar viel­fach wirkungslos. Das zeigt sich auch im Fall des geklauten Bonobos. Trotz der Meldung an die CITES-Leitung lebt das Tier weiterhin in Gefan­gen­schaft. Er ist eines von Tausenden Opfern des ille­galen Handels mit der nächsten verwandten Art des Menschen in der Natur.

Weiterer Sende­termin: Di 3. September, 16:00 Uhr, ARD-alpha