Ab in die Freiheit, hieß es jetzt für fünf rehabilitierte Orang-Utans aus dem BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng. Am 18. Juni 2026 wurden die Weibchen Farida, Semeru und Lykke und die Männchen Nett (auch unter dem Namen Otang bekannt) und Himba im Nationalpark Bukit Baka Bukit Raya ausgewildert. Sechs bis 22 Jahre haben die fünf Orang-Utans in der Obhut der BOS Foundation verbracht.
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Der heute 15 Jahre alte Himba kam 2011 mit schwersten Verbrennungen am ganzen Körper zu BOS. Er überlebte nur, dank des intensiven Einsatzes des BOS-Tierärzte-Teams und der liebevollen Pflege durch seine Babysitterin Mariana. Lykke ist mit 23 Jahren die Älteste der Gruppe, Nett mit elf Jahren der Jüngste. Semeru und Farida wurden aus illegaler Haltung befreit.
Damit sind es 561 rehabilitierte Orang-Utans, die die BOS Foundation seit 2012 in Regenwaldschutzgebiete ausgewildert hat.
Als Orang-Utan-Baby verliert Himba seine Mutter bei einem Waldbrand. Schwer verbrannt und dem Tod näher als dem Leben wird er in das BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng gebracht. Fast 15 Jahre später kann er als starker, selbstständiger Orang-Utan in die Freiheit zurückkehren. Seine Geschichte ist eine Geschichte von Hoffnung, Durchhaltevermögen und dem unermüdlichen Einsatz vieler Menschen.
Als der Holzsammler Pendi Amat am 2. Oktober 2011 mit einem Pappkarton das BOS-Orang-Utan-Rettungszentrum Nyaru Menteng in Zentral-Kalimantan erreicht, bietet sich den Mitarbeitenden ein erschütternder Anblick. In der schmutzigen Kiste liegt auf einer alten Decke ein hilfloses Orang-Utan-Baby. Seine Haut ist von schweren Brandwunden gezeichnet, seine vor Erschöpfung nur noch halb geöffneten Augen spiegeln seine Verzweiflung wider.
Mehr tot als lebendig: Himba bei seiner Ankunft im BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng am 2. Oktober 2011
Rettung in letzter Minute
Gefunden wurde das Jungtier von Pendis Freund Chen am Rand des Dorfes Takaras, einige Kilometer nördlich von Palangkaraya. In den umliegenden Wäldern wütete ein Feuer, das sich bedrohlich dem Dorf näherte. Chen beobachtete, wie ein Hund mit einer Orang-Utan-Mutter kämpfte. Das Weibchen war bereits schwer verbrannt und viel zu schwach, um sich zu verteidigen. Es starb während des Kampfes und hinterließ sein Junges allein. Erschüttert nahm Chen das Baby mit nach Hause. Drei Tage später entdeckte Pendi den kleinen Orang-Utan in Chens Hütte. Sofort erkannte er, wie kritisch dessen Zustand war, und überzeugte seinen Freund, das Tier in die Obhut von BOS zu geben.
Ein Kampf ums Überleben
Im Rettungszentrum begann sofort der Wettlauf gegen die Zeit. Der diensthabende Tierarzt Dr. Agus Fahroni brachte den kleinen Patienten direkt in die Klinik. Das Team gab dem kleinen Orang-Utan-Baby den Namen Himba. Er war damals schätzungsweise sechs Monate alt, wog gerade einmal 3,3 Kilogramm und litt unter hohem Fieber sowie schweren Verbrennungen an Händen, Füßen, Gesicht und Kopf. Teile seiner verbrannten Haut lösten sich bereits ab.
Erste Hilfe: Sofort begannen die BOS-Tierärzte mit der medizinischen Versorgung
„Zwei Finger an seiner rechten Hand haben uns besonders beunruhigt“, erinnert sich Dr. Agus Fahroni. „Sie waren schwer verletzt und mussten operiert werden. Doch zunächst mussten wir Himba stabilisieren. Andernfalls hätte er die Operation nicht überlebt.“ Tag und Nacht versorgte das Team den kleinen Orang-Utan mit Flüssigkeiten, Sauerstoff, Antibiotika, Schmerzmitteln und Vitaminen. Mit großer Hingabe kämpften die Tierärzte, Pfleger und Babysitterinnen um sein Leben.
Wenn Feuer den Regenwald verschlingt
Wald- und Torfmoorbrände sind auf Borneo in der Trockenzeit keine Seltenheit und bedrohen Jahr für Jahr Orang-Utans und ihren Lebensraum. Besonders in trockengelegten Torfmoorgebieten können sich Feuer über Wochen unterirdisch ausbreiten und sind kaum zu kontrollieren. Hinzu kommen Brandrodungen, bei denen Waldflächen für landwirtschaftliche Nutzung zerstört werden.
Katastrophe: Waldbrände bedrohen Jahr für Jahr das Leben der Orang-Utans
Ob der Brand, der Himbas Mutter das Leben kostete, natürlichen Ursprungs war oder durch menschliches Handeln ausgelöst wurde, ist unbekannt. Sicher ist jedoch: Der Verlust ihres Lebensraums gehört zu den Hauptgründen dafür, dass Orang-Utans heute vom Aussterben bedroht sind. Gerade mit Blick auf den erwarteten Super-El-Niño wächst die Sorge um die Regenwälder Borneos und ihre tierischen Bewohner. Gleichzeitig zeigt BOS seit Jahren, wie wichtig vorbeugender Wald- und Brandschutz für den Erhalt dieser einzigartigen Ökosysteme ist.
Mariana wurde Himbas Ersatzmutter
Neben der medizinischen Versorgung brauchte der traumatisierte Himba vor allem Nähe, Geborgenheit und Vertrauen. Von Anfang an war Babysitterin Mariana an seiner Seite. Die heute 50-Jährige, selbst Mutter und Großmutter, übernahm die Rolle seiner menschlichen Ersatzmutter. „Ich war vom ersten Moment an für Himba da und wir wurden unzertrennlich“, erinnert sie sich. „Ich konnte nicht einmal allein auf die Toilette gehen, weil er sich nicht von mir lösen wollte.“
Ersatzmutter: Babysitterin Mariana war von Anfang an an Himbas Seite, schenkte ihm Trost, Liebe und Zuversicht
Für traumatisierte Orang-Utan-Babys ist diese enge Bindung überlebenswichtig. In der Wildnis verbringen Orang-Utan-Kinder die ersten sechs bis acht Lebensjahre nahezu ununterbrochen an der Seite ihrer Mutter. Nach deren Verlust müssen die Pflegerinnen bei BOS diese Fürsorge so gut wie möglich ersetzen.
Ein kleines Wunder
Was zunächst nahezu unmöglich erschien, wurde dank des Einsatzes der Tierärzte und Babysitter Wirklichkeit: Himba erholte sich.
Himbas neues Leben: Wenige Monate nach seiner Rettung ist Himba nicht wiederzuerkennen
Bereits wenige Monate nach seiner Rettung waren die schweren Brandverletzungen weitgehend verheilt. Neue, gesunde Haut hatte die Wunden ersetzt. Himbas Vorliebe für Milch und Obst hatten ihn zwei Kilogramm Gewicht zulegen lassen. Und mit jedem Tag wuchs auch sein Selbstbewusstsein, so dass er sich auch mal einen Meter von Mariana weg wagte und begann, seine Umgebung eigenständig zu erkunden.
Lernen für das Leben im Wald
Nachdem sich Himba vollständig erholt hatte, durfte er sich den anderen Orang-Utan-Waisen im Waldkindergarten von Nyaru Menteng anschließen. Dort lernte er die ersten Grundlagen für ein Leben in Freiheit: klettern, hangeln und natürliche Nahrung erkennen. Drei Jahre später schließlich, am 5. März 2014, kam Himba in die Waldschule. Hier lernte er Schlafnester zu bauen, welche Gefahren im Regenwald lauern können, welche Waldfrüchte essbar sind und wie man sie sich zugänglich macht sowie das 1x1 der Orang-Utan-Etikette. Alles das, was ihm sonst seine Mutter im Regenwald beigebracht hätte.
Die Walduniversität
Den nächsten großen Schritt seiner Rehabilitation machte Himba am 18. Februar 2019: Er zog auf die Vorauswilderungsinsel Bangamat um – der Walduniversität. Hier leben die Orang-Utans weitgehend selbstständig und müssen beweisen, dass sie für die Freiheit bereit sind. Die Insel ist die letzte Station vor der Auswilderung.
Himba meisterte diese Herausforderung mit Bravour. Er entwickelte sich zu einem geschickten Nahrungssucher und unabhängigen Waldbewohner. Menschen gegenüber blieb er zunehmend distanziert – ein wichtiges Zeichen für eine erfolgreiche Rehabilitation. Auch zu anderen Orang-Utans hielt er zunehmend Abstand. Wie viele erwachsene Männchen entwickelte er sich zu einem Einzelgänger.
Endlich frei
Heute ist Himba 15 Jahre alt. Und jetzt beginnt für ihn ein völlig neues Kapitel: Im Nationalpark Bukit Baka Bukit Raya darf er endlich das Leben führen, das für jeden Orang-Utan vorgesehen ist – frei in den Regenwäldern Borneos. Für Mariana ist dieser Moment ebenso bewegend wie erfüllend: „Himba auf seinem Weg vom hilflosen, schwer verletzten Orang-Utan-Baby zu einem starken, gesunden und unabhängigen jungen Orang-Utan zu begleiten, war eine ganz besondere Erfahrung. Schon von Anfang an zeichnete sich Himba durch seine neugierige Art und sein sanftes Wesen aus – Eigenschaften, die mir immer in liebevoller Erinnerung bleiben werden.“
Ein Hoffnungsträger für seine Art
Mit Himbas Auswilderung kehrt nicht nur ein weiterer Orang-Utan dorthin zurück, wo er hingehört. Seine Geschichte steht stellvertretend für das, was möglich ist, wenn Menschen handeln, anstatt wegzusehen. Vom Dorfbewohner, der Hilfe suchte, über die Tierärzte und Babysitterinnen bis hin zu den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern von BOS – sie alle haben dazu beigetragen, dass aus einem schwer verletzten Baby ein freier Orang-Utan werden konnte.
Jede erfolgreiche Auswilderung stärkt die wilden Orang-Utan-Populationen Borneos und gibt Hoffnung für die Zukunft einer vom Aussterben bedrohten Art. Himbas Geschichte erinnert uns daran, dass selbst nach den schwersten Schicksalsschlägen ein Neuanfang möglich ist.
Es ist spät am Nachmittag im Bukit Batikap Schutzwald. Mit einem Langboot fährt ein Team von Post-Release Monitoring (PRM) Rangern den Joloi Fluss hinunter, zurück ins Camp. Sie haben den Tag damit verbracht, ausgewilderte Orang-Utans zu tracken und beobachten. Der Tag hat für sie vor Sonnenaufgang begonnen, für heute ist die Arbeit getan.
Doch dann entscheiden sie, vom Camp aus noch ein Stück Fluss abwärts zu fahren. Solche Entscheidungen gehören zum Alltag der BOS-Ranger. Denn wer Orang-Utans im dichten Regenwald folgt, weiß: Die wichtigsten Momente lassen sich nicht planen. Am Vortag hatten sie kurz das Signal des Senders eines ausgewilderten Orang-Utans flussabwärts empfangen, ihn jedoch wieder verloren. Nun hoffen sie auf eine erneute Begegnung.
Feldforschung im Regenwald: BOS-Ranger beobachten Orang-Utan-Mutter mit Baby
Und tatsächlich entdecken sie nach kurzer Zeit am Flussufer eine Bewegung hoch oben im Blätterdach. Sie drosseln den Bootsmotor, nehmen die Ferngläser an die Augen, suchen die Bäume am Ufer ab – und entdecken einen Orang-Utan, der sich ruhig von Ast zu Ast bewegt.
Sisi ist Mama geworden! Die Ranger nennen das Baby Sijalu
Erst auf den zweiten Blick machen die Ranger eine aufregende weitere Entdeckung: Ein Baby klammert sich in das Fell des Orang-Utans! Es ist noch sehr jung, höchstens ein Jahr alt. Und wer ist die Orang-Utan-Dame? Die Ranger gleichen die körperlichen Charakteristika des Tieres und seine Gesichtszüge mit der digitalen Kartei der ausgewilderten Tiere ab und können sie zweifelsfrei als Sisi identifizieren.
Orang-Utan-Waise wird selbst Mutter: Sisis Geschichte bei BOS Deutschland
Sisi kam im Alter von etwa zweieinhalb Jahren in das BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng, nachdem sie mutterlos in der Nähe einer Stadt in Südkalimantan, Borneo, aufgefunden worden war. Das war Ende des Jahres 2003. Im Oktober 2019, nach 16-jähriger Rehabilitation, war sie bereit für die Auswilderung im Bukit Batikap Schutzwald.
Sisi kurz vor der Auswilderung im Oktober 2019
Und allem Anschein nach hat sie sich seitdem bestens in ihr neues, freies Leben eingewöhnt. Doch wird sie auch in der Lage sein, ihre im Rettungszentrum erlernten Fähigkeiten an ihr Baby weiterzugeben – so wie es die Natur eigentlich vorgesehen hat, wie es Sisi selbst jedoch verwehrt blieb?
Post-Release Monitoring: Wie BOS Deutschland ausgewilderte Orang-Utans begleitet
Genau um diese Frage zu beantworten, beobachten die BOS-Ranger Sisi und ihr Baby, dem sie den Namen Sijalu gegeben haben, drei Tage lang. Sie sind die ganze Zeit dabei: Von Sonnenaufgang, wenn die beiden ihr Schlafnest verlassen, bis zum Sonnenuntergang, wenn Sisi für sich und ihr Kleines an einem neuen Ort ein frisches, gut gepolstertes Schlafnest baut.
Sisis Speiseplan ist vielseitig – sie hat sich bestens an ihr Leben in Freiheit gewöhnt
Die Ranger bleiben dabei auf Abstand. Sie beobachten und dokumentieren, was sie sehen, jedoch ohne zu stören. Es sind drei faszinierende Tage, die tiefe Einblicke geben in das besondere Verhältnis von Mutter und Kind.
Wie Orang-Utan-Babys im Regenwald überleben lernen
Für Sisis Baby ist die Welt noch klein. Sie besteht aus warmem Fell und sicheren Armen, der schützenden Nähe der Mutter. Doch während das Kleine aus dieser Sicherheit heraus die Welt um es herum beobachtet, beginnt bereits der wichtigste Lernprozess seines Lebens. Denn alles, was Sisi tut, ist eine Lektion für Sijalu. Welche Pflanzen sind essbar? Wann ist etwas reif? Wie erreicht man die besten Stellen im dichten Blätterdach? Auch die Ranger sehen genau hin. Wie verhält sich Sisi? Womit verbringt die Orang-Utan-Mutter den Tag? Was frisst sie? Wie groß ist die Vielfalt ihres Speiseplans? Am Joloi-Fluss findet die Orang-Utan-Mutter besonders viele Nahrungsquellen. Die Nähe zum Wasser sorgt für eine große Vielfalt an Pflanzen und diese kostet Sisi aus. Ein deutliches Zeichen dafür, dass sie sich gut in freier Wildbahn zurecht findet.
Während sie in einem ruhigen Tempo durch die Baumwipfel klettert und immer wieder inne hält, um Früchte zu pflücken und zu fressen, bleibt Sijalu in das Fell der Mutter geklammert. Am ersten Beobachtungstag ist Muttermilch die einzige Nahrung, die das Baby immer wieder trinkt. Am zweiten Tag jedoch löst sich Sijalu ab und zu aus der sicheren Umarmung, um selbständige erste kleine Kletterversuche zu unternehmen. Das Jungtier ahmt dabei auch seine Mutter nach und probiert einige Bissen wilder Früchte wie Saluoi, Sangkuang und Lisum.
Ein Moment, der zeigt, was Artenschutz bewirken kann
Was hier vor den Augen des PRM-Teams geschieht, wirkt ganz ruhig und selbstverständlich. Doch was am Ende eines langen Arbeitstages als Begegnung am Joloi Fluss begann, ist mehr als nur ein schöner Moment: Es das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Es ist der Beweis dafür, dass Auswilderung funktionieren kann. Und dafür, dass ein gerettetes Individuum Hoffnung für eine weitere Generation Orang-Utans im Regenwald bedeutet.
Danke, dass Sie unsere Arbeit für Tiere wie Sisi und Sijalu unterstützen. Jeder Beitrag hilft.
Kapuan ist ein Opfer des illegalen Wildtierhandels. 2006 konnte die BOS Foundation sie aus einem Leben als Show-Orang-Utan in Thailand befreien. Fast 20 Jahre Rehabilitation waren nötig, ehe Kapuan bereit für ein selbstständiges Leben im Regenwald war. Auch Hannah Emde machte sich während der Dreharbeiten zu “Faszination Erde” auf die dunkle Spur der Wildtierhändler.
Auf Borneo war sie außerdem zu Gast in der BOS-Waldschule in Nyaru Menteng, um den Orang-Utan-Waisen beim Lernen zuzuschauen. Und sie stattete der BOS-Forschungsstation Tuanan in Mawas einen Besuch ab. Hier erfuhr sie mehr über die wichtige Rolle, die Orang-Utans im Ökosystem Regenwald spielen.
Schon am Freitag, 27.03.2026 ist Hannah Emde zu Gast in der Talkshow “3nach9”. Hier darf sie Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo von ihrer Arbeit und der abenteuerlichen Reise nach Borneo berichten.
Zwei Jahre ist es her, dass Cici im Bukit Batikap Schutzwald ausgewildert wurde. Und weitere zehn Jahre seit ihrem Umzug von Ost- nach Zentral-Kalimantan. Jetzt haben unsere Ranger die Orang-Utan-Dame bei einer Patrouille im Wald wiedergetroffen. Und eine schöne Entdeckung gemacht.
Am 8. Januar 2003 wurde Cici zum zweiten Mal das Leben geschenkt: Es ist der Tag ihrer Ankunft im BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari. Und im November 2023 wurde sie – aus dem BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng – im Schutzwald Bukit Batikap ausgewildert. Ein ganz schön langer Lebensweg, der keineswegs geradeaus führte, liegt bereits hinter Cici. Umso glücklicher waren unsere Ranger, als sie die Orang-Utan-Dame kürzlich bei bester Gesundheit in Bukit Batikap antrafen und beobachten durften.
Cici lebt seit ihrer Auswilderung im November 2023 im Bukit Batikap Schutzwald
Orang-Utan-Dame Cicis Freiheit kam in Etappen
Nach ihrer Rettung als etwa drei- bis vierjähriges Orang-Utan-Mädchen vor 22 Jahren durchlief Cici erfolgreich und recht schnell die Waldschule von Samboja Lestari, bewies sich auf der Vorauswilderungsinsel und sollte eigentlich schon im Oktober 2013 ausgewildert werden. Bei den gründlichen medizinischen Tests, die alle unsere Schützlinge vor ihrem großen Tag durchlaufen, machten die Tierärzte jedoch eine Entdeckung, die alles verändern sollte: Cicis Heimat war nicht in Ost-Kalimantan, wohin die Auswilderung geplant war. Sie gehörte einer in Zentral-Kalimantan heimischen Subspezies an (Pongo pygmaeus wurmbii).
Eine schwere Entscheidung
So mussten wir Cicis Auswilderung verschieben. In Übereinstimmung mit nationalen und internationalen Standards der Weltnaturschutzunion (IUCN) hat das BOS-Team entschieden, dass Cici dorthin gebracht wurde, wohin sie eigentlich gehörte. Und so reiste die damals 14-Jährige in der Transportkiste, die sie in den Regenwald bringen sollte, in unser Rettungszentrum Nyaru Menteng. Dort sollte es weitere zehn Jahre dauern – auch bedingt durch die Einschränkungen der Pandemie – bis Cici ihre nächste Chance auf die Freiheit bekam.
Doch nicht alle Verzögerungen enden mit Bedauern! Was zunächst wie ein schwerer Rückschlag erschien, war rückblickend die genau richtige Entscheidung. Während ihres Aufenthaltes in Nyaru Menteng war das jedoch nicht immer offensichtlich.
Cici musste viel Geduld beweisen, bis wir ihr die Freiheit schenken konnten
Cici erlangte in Nyaru Menteng schnell Bekanntheit für ihre starke und oft aggressive Persönlichkeit. Tierpfleger und das Veterinärteam mussten in ihrer Gegenwart stets wachsam sein. Doch ihr wildes Auftreten war schlicht und einfach der Ausdruck ihres unglaublichen Überlebenswillens. Und genau dieser Instinkt half ihr später, in der Wildnis zu zurechtzukommen.
Der Tag der Auswilderung: endlich in Freiheit
Im November 2023 war es dann wirklich und wahrhaftig soweit. Die Tür von Cicis Transportbox öffnete sich im Bukit Batikap-Schutzwald und sie schoss blitzschnell heraus. Direkt kletterte sie auf einen nahegelegenen Baum und verschwand im Blätterdach des Waldes. Doch Cici wäre nicht Cici, wenn sie unserem Team nicht einen letzten Denkzettel mitgegeben hätte.
Als sich die Luke der Auswilderungsbox öffnete, hatte Cici es sehr eilig
Zehn Minuten nach ihrem Verschwinden stürmte die 24-jährige Orang-Utan-Dame auf unser Post-Release Monitoring (PRM) Team zu, das die neuen Wilden aus gebührender Entfernung beobachtete. Und so erlebte unser PRM-Team einen intensiven und herausfordernden ersten Tag der Nachbeobachtung.
Ein derart aggressives Verhalten ist nicht ungewöhnlich
Viele Orang-Utans reagieren nach langen Transportwegen gestresst, was zu defensiven oder aggressiven Reaktionen führen kann. Und so blieb unser erfahrenes PRM-Team ruhig und geduldig, hielt so gut wie möglich Abstand zu den frisch ausgewilderten Primaten und wartete ab, bis sie sich beruhigt und an die neue Umgebung gewöhnt hatten.
Zwei Jahre später: Cici ist ruhig und selbstbewusst
Vor kurzem, ganze zwei Jahre nach ihrer Auswilderung, trafen unsere Ranger Cici in der Nähe des Flusses Joloi wieder. Das Orang-Utan-Weibchen wirkte während der Beobachtung ruhig und selbstbewusst. Die meiste Zeit verbrachte sie damit, den Wald zu erkunden. Ganz ohne Anzeichen von Aggression, die sie bei der letzten Begegnung an den Tag gelegt hatte. Zufrieden bewegte sie sich durch ihren natürlichen Lebensraum, an den sie sich ganz offensichtlich bestens angepasst hatte.
Das Warten auf die Auswilderung hat sich gelohnt
Unsere Ranger konnten nach der Beobachtung berichten, dass Cici in ihrem neuen Lebensraum förmlich aufgeblüht ist. Die Orang-Utan-Dame war gesund, kräftig und wirkte völlig sicher, während sie sich durch den Wald bewegte. Damit ist ihre Geschichte ein wunderbarer Beweis dafür, dass Geduld und manchmal auch schwere Entscheidungen zu nachhaltigen Ergebnissen im Artenschutz führen.
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