Cicis langer Weg in die Heimat

Cicis langer Weg in die Heimat

Zwei Jahre ist es her, dass Cici im Bukit Batikap Schutz­wald ausge­wil­dert wurde. Und weitere zehn Jahre seit ihrem Umzug von Ost- nach Zentral-Kali­mantan. Jetzt haben unsere Ranger die Orang-Utan-Dame bei einer Patrouille im Wald wieder­ge­troffen. Und eine schöne Entde­ckung gemacht.

Am 8. Januar 2003 wurde Cici zum zweiten Mal das Leben geschenkt: Es ist der Tag ihrer Ankunft im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari. Und im November 2023 wurde sie – aus dem BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng – im Schutz­wald Bukit Batikap ausge­wil­dert. Ein ganz schön langer Lebensweg, der keines­wegs gera­deaus führte, liegt bereits hinter Cici. Umso glück­li­cher waren unsere Ranger, als sie die Orang-Utan-Dame kürz­lich bei bester Gesund­heit in Bukit Batikap antrafen und beob­achten durften.

Orang-Utan Cici im Regenwald
Cici lebt seit ihrer Auswil­de­rung im November 2023 im Bukit Batikap Schutzwald

Orang-Utan-Dame Cicis Frei­heit kam in Etappen

Nach ihrer Rettung als etwa drei- bis vier­jäh­riges Orang-Utan-Mädchen vor 22 Jahren durch­lief Cici erfolg­reich und recht schnell die Wald­schule von Samboja Lestari, bewies sich auf der Voraus­wil­de­rungs­insel und sollte eigent­lich schon im Oktober 2013 ausge­wil­dert werden. Bei den gründ­li­chen medi­zi­ni­schen Tests, die alle unsere Schütz­linge vor ihrem großen Tag durch­laufen, machten die Tier­ärzte jedoch eine Entde­ckung, die alles verän­dern sollte: Cicis Heimat war nicht in Ost-Kali­mantan, wohin die Auswil­de­rung geplant war. Sie gehörte einer in Zentral-Kali­mantan heimi­schen Subspe­zies an (Pongo pygmaeus wurmbii).

Eine schwere Entscheidung

So mussten wir Cicis Auswil­de­rung verschieben. In Über­ein­stim­mung mit natio­nalen und inter­na­tio­nalen Stan­dards der Welt­na­tur­schutz­union (IUCN) hat das BOS-Team entschieden, dass Cici dorthin gebracht wurde, wohin sie eigent­lich gehörte. Und so reiste die damals 14-Jährige in der Trans­port­kiste, die sie in den Regen­wald bringen sollte, in unser Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng. Dort sollte es weitere zehn Jahre dauern – auch bedingt durch die Einschrän­kungen der Pandemie – bis Cici ihre nächste Chance auf die Frei­heit bekam.

Doch nicht alle Verzö­ge­rungen enden mit Bedauern! Was zunächst wie ein schwerer Rück­schlag erschien, war rück­bli­ckend die genau rich­tige Entschei­dung. Während ihres Aufent­haltes in Nyaru Menteng war das jedoch nicht immer offensichtlich.

Orang-Utan Cici vor der Auswilderung
Cici musste viel Geduld beweisen, bis wir ihr die Frei­heit schenken konnten

Cici erlangte in Nyaru Menteng schnell Bekannt­heit für ihre starke und oft aggres­sive Persön­lich­keit. Tier­pfleger und das Vete­ri­när­team mussten in ihrer Gegen­wart stets wachsam sein. Doch ihr wildes Auftreten war schlicht und einfach der Ausdruck ihres unglaub­li­chen Über­le­bens­wil­lens. Und genau dieser Instinkt half ihr später, in der Wildnis zu zurechtzukommen.

Der Tag der Auswil­de­rung: endlich in Freiheit

Im November 2023 war es dann wirk­lich und wahr­haftig soweit. Die Tür von Cicis Trans­portbox öffnete sich im Bukit Batikap-Schutz­wald und sie schoss blitz­schnell heraus. Direkt klet­terte sie auf einen nahe­ge­le­genen Baum und verschwand im Blät­ter­dach des Waldes. Doch Cici wäre nicht Cici, wenn sie unserem Team nicht einen letzten Denk­zettel mitge­geben hätte.

Auswilderung Orang-Utan Cici
Als sich die Luke der Auswil­de­rungsbox öffnete, hatte Cici es sehr eilig

Zehn Minuten nach ihrem Verschwinden stürmte die 24-jährige Orang-Utan-Dame auf unser Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team zu, das die neuen Wilden aus gebüh­render Entfer­nung beob­ach­tete. Und so erlebte unser PRM-Team einen inten­siven und heraus­for­dernden ersten Tag der Nachbeobachtung.

Ein derart aggres­sives Verhalten ist nicht ungewöhnlich

Viele Orang-Utans reagieren nach langen Trans­port­wegen gestresst, was zu defen­siven oder aggres­siven Reak­tionen führen kann. Und so blieb unser erfah­renes PRM-Team ruhig und geduldig, hielt so gut wie möglich Abstand zu den frisch ausge­wil­derten Primaten und wartete ab, bis sie sich beru­higt und an die neue Umge­bung gewöhnt hatten.

Zwei Jahre später: Cici ist ruhig und selbstbewusst

Vor kurzem, ganze zwei Jahre nach ihrer Auswil­de­rung, trafen unsere Ranger Cici in der Nähe des Flusses Joloi wieder. Das Orang-Utan-Weib­chen wirkte während der Beob­ach­tung ruhig und selbst­be­wusst. Die meiste Zeit verbrachte sie damit, den Wald zu erkunden. Ganz ohne Anzei­chen von Aggres­sion, die sie bei der letzten Begeg­nung an den Tag gelegt hatte. Zufrieden bewegte sie sich durch ihren natür­li­chen Lebens­raum, an den sie sich ganz offen­sicht­lich bestens ange­passt hatte.

Orang-Utan Cici im Regenwald
Das Warten auf die Auswil­de­rung hat sich gelohnt

Unsere Ranger konnten nach der Beob­ach­tung berichten, dass Cici in ihrem neuen Lebens­raum förm­lich aufge­blüht ist. Die Orang-Utan-Dame war gesund, kräftig und wirkte völlig sicher, während sie sich durch den Wald bewegte. Damit ist ihre Geschichte ein wunder­barer Beweis dafür, dass Geduld und manchmal auch schwere Entschei­dungen zu nach­hal­tigen Ergeb­nissen im Arten­schutz führen.

Mit Ihrer Spende helfen Sie, dass geret­tete Orang-Utans eine zweite – und wenn nötig auch eine dritte — Chance auf ein Leben in Frei­heit erhalten.

Endlich wild und frei

Endlich wild und frei

Die BOS Foun­da­tion hat erfolg­reich sieben reha­bi­li­tierte Orang-Utans im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park ausge­wil­dert: Die vier Männ­chen Otan (12), Momot (12), Wibowo (12) und Ficz (18), sowie die drei Weib­chen Berunay (23), Putri (18) und Kapuan (25).

Kapuan ist ein Opfer des ille­galen Wild­tier­han­dels. Sie ist, vermut­lich als Baby, nach Thai­land verschleppt worden, wo sie bis zu ihrer Rettung in einem Vergnü­gungs­park ausge­beutet wurde. Am 22. November 2006 kehrte sie – nach langen diplo­ma­ti­schen Verhand­lungen – gemeinsam mit 47 weiteren geret­teten Orang-Utans nach Borneo zurück. Wären ihre Retter nicht gewesen, hätten Kapuan und ihre Artge­nossen ihr Leben in einem Frei­zeit­park bei Boxkämpfen und ähnli­chen Shows zur Belus­ti­gung von Touristen verbringen müssen.

Orang-Utans thailändischem Freizeitpark bei einer Boxshow
Orang-Utan-Show in einem Frei­zeit­park in Thai­land. Diesem Schicksal ist Kapuan entkommen | Foto: Jaya­pra­kash Bojan

Doch Kapuan hatte großes Glück. Etwa sechs­ein­halb Jahre alt war sie bei ihrer Ankunft im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng. Hier sollte sie lernen, was ein wilder Orang-Utan für ein Leben in Frei­heit können und wissen muss. 2022 war sie bereit, auf eine Voraus­wil­de­rungs­insel zu ziehen. Diese letzte Hürde vor der großen Frei­heit nahm sie mit Bravour: Sie bewegte sich sicher durch die Baum­kronen, kam nur selten auf den Boden und suchte enga­giert nach natür­li­cher Nahrung.

Ein Meilen­stein für den Artenschutz

Jetzt wurde ihr im Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya die Frei­heit geschenkt.

Damit ist Kapuan der 14. aus Thai­land geret­tete Orang-Utan, den die BOS Foun­da­tion auswil­dern konnte – ein echter Meilen­stein für den Arten­schutz. Der Weg dahin war nicht einfach: diplo­ma­ti­sches Geschick und 19 Jahre hinge­bungs­volle Pflege. Doch jeder einzelne Orang-Utan, der wieder in den Regen­wald zurück­kehren darf, macht all diese Mühen mehr als wert.

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Mehr Infor­ma­tionen

An Putris Seite von Anfang an

Das weiß auch Dr. Jochen Weber, Zahn­arzt aus Neustadt an der Wein­straße. Er hat bei dieser 46. Auswil­de­rung aus dem Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng ganz beson­ders mitge­fie­bert. Denn unter den sieben neuen Wilden war auch das 18 Jahre alte Weib­chen Putri – der Orang-Utan, den er seit 2007 mit seinen Spenden unter­stützt. Und nicht nur er. Auch unter seinen Pati­en­tinnen und Pati­enten sind inzwi­schen viele Putri-Fans. „Vor allem die Kinder fragen mich immer wieder, ob es etwas Neues von Putri gibt“, berichtet Dr. Weber, der vor seinem Zahn­me­di­zin­stu­dium Biologie mit Schwer­punkt Zoologie studiert hatte.

Zahnarzt Dr. Jochen Weber
Dr. Weber in seiner Zahn­arzt­praxis. Hier hält er auch seine Pati­en­tinnen und Pati­enten über Putri auf dem Laufenden | Foto: Privat

„Orang-Utans – und Schild­kröten – waren immer schon meine Lieb­lings­tiere. Man kann sich ihnen nicht entziehen. Diese enge, lang­jäh­rige Mutter-Kind-Bindung, all ihre Fertig­keiten, die faszi­nie­renden Persön­lich­keiten, ihre Lern­fä­hig­keit“, schwärmt der Zahn­arzt. „Und Orang-Utan-Babys sind doch wirk­lich das nied­lichste, was es gibt.“
Doch schwärmen allein reichte Dr. Weber nicht, der neben BOS auch ein Kinder­hospiz in seiner Region unter­stützt. „Ich sehe es als meine Verpflich­tung als gut Verdie­nender an, etwas zurück­zu­geben. Darum habe ich auch immer wieder Vorträge vor Kolle­ginnen und Kollegen gehalten, um auch sie zu moti­vieren“, sagt er. Zumin­dest seine Pati­enten hat er über­zeugt. Denn sie spenden gern immer wieder ihr Zahn­gold für Putri und die Orang-Utans.

Auswilderung Orang-Utan-Weibchen Putri
Putris Leben in Frei­heit hat begonnen

Jetzt war Putris großer Moment gekommen: Im Natio­nal­park begann auch für sie das große Aben­teuer Frei­heit. Das Video von Putris ersten Schritten in Frei­heit hat Dr. Weber tief bewegt. „Jetzt hoffe ich, dass sie es im Regen­wald schafft. Und vor allem, dass der Lebens­raum der Orang-Utans nicht noch weiter zerstört wird“, wünscht er sich.
Dieser Hoff­nung können wir uns nur anschließen. Wir wünschen Putri, Kapuan, Otan, Momot, Wibowo, Berunay und Ficz einen guten Start in ihrem neuen wilden Leben im Nationalpark.

Ein großes Danke­schön an Dr. Jochen Weber für sein außer­ge­wöhn­li­ches Enga­ge­ment und an all unsere treuen Unter­stüt­ze­rinnen und Unter­stützer, die solche Erfolge möglich machen. Auch Sie können unsere Arbeit für die Orang-Utans und ihren Lebens­raum mit Ihrer Spende unterstützen.

Über­leben im Dschungel: Haben reha­bi­li­tierte Orang-Utans schlech­tere Karten?

Über­leben im Dschungel: Haben reha­bi­li­tierte Orang-Utans schlech­tere Karten?

Wilde Orang-Utans und ihre Artge­nossen, die in Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren auf ein Leben in der Wildnis vorbe­reitet wurden, weisen wich­tige Verhal­tens­un­ter­schiede auf. Diese Unter­schiede zu verstehen, ist der Schlüssel für eine bessere Gestal­tung unserer Auswil­de­rungs- und Post-Moni­to­ring-Programme. Solche Erkennt­nisse helfen auch bei der Verbes­se­rung der exis­tie­renden Orang-Utan-Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­gramme. Unsere bishe­rigen Beob­ach­tungen zeigen, dass Orang-Utans, die durch Menschen reha­bi­li­tiert wurden, größeren Heraus­for­de­rungen in der Wildnis gegen­über­stehen und oft auch nach der Auswil­de­rung Unter­stüt­zung brau­chen – etwa bei Mensch-Tier-Konflikten. Daher soll das ulti­ma­tive Ziel sein, den bestehenden Orang-Utan-Habitat und seine Bewohner zu schützen, sodass immer weniger Tiere eine mensch­liche Reha­bi­li­ta­tion brauchen.

Lesans Geschichte


Lesan lebt seit 2012 im Auswil­de­rungs­wald von Kehje Sewen und hat mitt­ler­weile zwei Orang-Utan-Kinder geboren und ihnen das Über­leben im Wald beigebracht. Inzwi­schen sind knapp 13 Jahre seit ihrer Auswil­de­rung vergangen. Trotzdem trifft unser Post-Moni­to­ring-Team immer wieder auf die Orang-Utan-Mutter. Dabei ist unseren Rangern etwas Selt­sames aufge­fallen: Lesan und ihre beiden Kinder verhalten sich komplett unter­schied­lich gegen­über unseren Kollegen. Die Orang-Utan-Mutter wirkt gelassen und scheint an die Anwe­sen­heit der Beob­achter gewöhnt zu sein, während ihre Tochter Ayu defen­siver reagiert. In solchen Fällen hält unser Post-Release-Moni­to­ring-Team (PRM) während der Beob­ach­tung einen sicheren Abstand.

Lesan und ihr neuge­bo­renes Baby

Reha­bi­li­tierte Orang-Utans vs. Wilde Orang-Utans


Reha­bi­li­tierte Orang-Utans zeigen deut­lich andere Verhal­tens­weisen als ihre in der Wildnis gebo­renen und aufge­wach­senen Artge­nossen. Ein wesent­li­cher Unter­schied ist ihre größere Tole­ranz gegen­über Menschen – etwas, das bei wilden Orang-Utans nicht zu beob­achten ist. Das liegt daran, dass reha­bi­li­tierte Orang-Utans von klein auf an den Umgang mit Menschen gewöhnt sind, sei es während Rettungs­ein­sätzen, medi­zi­ni­scher Behand­lung oder der tägli­chen Pflege in Rehabilitationszentren.

Zudem verfügen wilde Orang-Utans in der Regel über ein umfas­sen­deres und instink­tives Wissen über natür­liche Nahrungs­quellen im Wald. Im Gegen­satz dazu benö­tigen solche, die in Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren geboren wurden, mehr Zeit und spezi­fi­sches Trai­ning, um ange­mes­sene Nahrungs­such­stra­te­gien zu entwickeln.

Ein weiterer bemer­kens­werter Unter­schied liegt in ihrer Fähig­keit, Nester zu bauen. Wilde Orang-Utans lernen diese Fertig­keit direkt von ihren Müttern. Reha­bi­li­tierte Orang-Utans hingegen tun sich anfangs oft schwer damit. Sie müssen diese Fähig­keit durch Beob­ach­tung in der „Wald­schule“ erlernen. Diese Lern­erfah­rung prägt auch ihr Sozi­al­ver­halten. Während Orang-Utans von Natur aus halb­so­li­taire Tiere sind, zeigen reha­bi­li­tierte Orang-Utans aufgrund ihrer frühen sozialen Prägung oft ein höheres Maß an sozialer Interaktion.

Der Geburtsort entscheidet: Die Wurzeln der Verhaltensunterschiede


Wild gebo­rene Orang-Utans erwerben Über­le­bens­fä­hig­keiten direkt von ihren Müttern in ihrem natür­li­chen Lebens­raum. Orang-Utans aus Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren hingegen wachsen in einer vom Menschen geprägten Umge­bung auf. Dadurch fehlen ihnen frühe Erfah­rungen, die die Komple­xität des wilden Lebens wider­spie­geln. Daher entwi­ckeln sie ihr Verhalten durch struk­tu­rierte Lern­pro­zesse wie die Wald­schule und nicht durch Instinkt oder mütter­liche Aufzucht.

Trotz unter­schied­li­cher Prägung, ähnliche Überlebensfähigkeiten


Trotzdem zeigen reha­bi­li­tierte und wild aufge­wach­sene Orang-Utans relativ ähnliche Über­le­bens­fä­hig­keiten. Neben Lesan machen sich auch andere Wald­schul­ab­sol­venten sehr gut. Beispiele sind die Orang-Utans Indie, Padma und Hiran, Nach­kommen der reha­bi­li­tierten Orang-Utans Inung, Sayang und Hilda. Die Beob­ach­tung dieser jungen Orang-Utans in der Wildnis zeigt, dass reha­bi­li­tierte Mütter durchaus in der Lage sind, ihren Nach­wuchs zu unter­richten – selbst wenn ihre eigenen erlernten Fähig­keiten nicht so instinktiv sind wie die wild gebo­rener Tiere.

Auch Orang-Utan Mardi­anto hat seine Anpas­sungs­fä­hig­keit in der Wildnis bewiesen. Er wurde 2015 ohne Backen­wülste ausge­wil­dert, doch heute ist er zu einem domi­nanten Männ­chen heran­ge­wachsen, das durch die Wälder des Natio­nal­parks Bukit Baka Bukit Raya (TNBBBR) streift.

Die BOS Foun­da­tion betreibt neben der Reha­bi­li­ta­tion und den Auffors­tungs­pro­grammen auch wich­tige Forschung im Bereich Orang-Utan-Verhalten. Durch eine stetige Verbes­se­rung unserer Arbeit können wir stolz sagen, dass wir mitt­ler­weile knapp 550 Orang-Utans zu wilden Orang-Utans reha­bi­li­tiert haben.

Sie möchten unsere Arbeit unter­stützen? Eine kleine Spende kann Großes bewirken!

Quel­len­ver­zeichnis:

Atmoko, S. U., Setia, T. M., Goos­sens, B., James, S. S., Knott, C. D., Morrogh-Bernard, H. C., … & van Noor­dwijk, M. A. (2009). Oran­gutan mating beha­vior and stra­te­gies. In: Oran­gutans: Geogra­phic varia­tion in beha­vi­oral ecology and conser­va­tion (S. 235–244).

Van Schaik, C. (2004). Di Antara Oran­gutan. Kera Merah dan Bang­kitnya Kebu­da­yaan Manusia (Soetami, Übers.). Jakarta: Borneo Oran­gutan Survival Foun­da­tion (BOS). (Erst­ver­öf­fent­li­chung 2004, deut­sche Refe­ren­zie­rung 2006).

Russon, A. E. (2009). Oran­gutan reha­bi­li­ta­tion and rein­tro­duc­tion. In: Oran­gutans: Geogra­phic varia­tion in beha­vi­oral ecology and conser­va­tion (S. 327–350).

Schuppli, C., Forss, S. I., Meulman, E. J., Zweifel, N., Lee, K. C., Rukmana, E., … & van Schaik, C. P. (2016). Deve­lo­p­ment of fora­ging skills in two oran­gutan popu­la­tions: needing to learn or needing to grow?. Fron­tiers in Zoology, 13(1), 43.

Melisa ist zurück – mit Baby an der Brust!

Melisa ist zurück – mit Baby an der Brust!

Mitten im üppigen Regen­wald des Natio­nal­parks Bukit Baka Bukit Raya (BBBR) in Zentral-Kali­mantan kam es zu einem uner­war­teten, berüh­renden Wieder­sehen: Unsere Beob­ach­tungs-Teams trafen auf eine Orang-Utan-Mutter – und ihr Baby. Zunächst dachten sie, es handle sich um Hilda, eine andere ausge­wil­derte Orang-Utan-Dame. Doch ein genauer Blick brachte Gewiss­heit: Es war Melisa.

Melisa wurde Ende Juli 2019 nach erfolg­rei­cher Reha­bi­li­ta­tion in die Frei­heit entlassen. Seitdem hat sie sich wunderbar an das Leben im Dschungel ange­passt. Meist versteckte sie sich hoch oben im dichten Blät­ter­dach und ließ sich nur selten von unseren Rangern entde­cken. Umso größer war die Freude, als sie 2023 plötz­lich wieder auftauchte – diesmal mit einem kleinen Baby, das sich fest an ihren Rücken klammerte.

Orang-Utan Melisa mit ihrem Baby in Nationalpark Bukit Baka Bukit Raya auf Borneo
Melisa beschützt ihr Baby

Eine wilde Mutter mit starkem Instinkt

Leider war dieser erste Blick auf Melisa und ihr Junges nur flüchtig. Die erfah­rene Orang-Utan-Mutter zeigte sofort ihren natür­li­chen Schutz­in­stinkt: Sie hielt Abstand zu den Menschen und verschwand rasch wieder im Dickicht des Regen­walds. Dennoch konnte das Team erkennen, dass das Baby noch sehr jung war – vermut­lich hatte es rund um den Juni 2023 das Licht der Welt erblickt.

Erst jetzt hatte ein Beob­ach­tungs­team mehr Glück. Es konnte Melisa länger beob­achten. Das Baby, inzwi­schen etwa zwei Jahre alt, klam­mert sich weiterhin fest an seine Mutter. Sein Geschlecht konnte bisher nicht fest­ge­stellt werden – so eng ist die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Hoff­nungs­trä­gerin im grünen Paradies

Das Beste an dieser Geschichte? Melisa und ihr Baby sind gesund, aktiv und voller Energie. Das Moni­to­ring-Team beob­ach­teten, wie sie gemeinsam Nahrung suchten, klet­terten und sich ganz natür­lich durch den Dschungel bewegten. Es ist ein eindrucks­voller Beweis dafür, dass Melisa ihren Platz in der Wildnis gefunden hat – den sie ihn nun mit einem neuen Leben teilt.

Orang-Utan Melisa mit ihrem Baby in Nationalpark Bukit Baka Bukit Raya auf Borneo
Acht Babys konnten wir im Natio­nal­park bereits entde­cken. Melisas Nach­wuchs ist das jüngste Orang-Utan-Kind

Melisas Geschichte ist mehr als eine herz­er­wär­mende Begeg­nung. Sie ist ein Symbol für die Erfolge lang­jäh­riger Schutz­maß­nahmen, Reha­bi­li­ta­tion und sorg­fäl­tiger Nach­be­treuung. Ohne diese konti­nu­ier­liche Arbeit wäre ein solches Wieder­sehen kaum möglich gewesen. Wir werden Melisa und ihr Junges weiterhin begleiten – und hoffen, bald mehr über das kleine Orang-Utan-Wunder zu erfahren.

Schenken Sie Zukunft – spenden Sie jetzt für Melisa, ihr Baby und viele weitere Orang-Utans!

Jumbos Start im Regenwald

Jumbos Start im Regenwald

Zwölf Jahre haben wir Jumbo im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng auf diesen großen Tag vorbe­reitet. Nach Hanau, Rongda, Pirang und Radmala ist Jumbo der fünfte Orang-Utan, den wir im Mai im Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya ausge­wil­dert haben. Jetzt erst beginnt die eigent­liche Heraus­for­de­rung für das Orang-Utan-Männ­chen – das freie Leben im Regenwald.

Nachdem sich die Schie­betür des Trans­port­kä­figs geöffnet hatte, konnten wir Jumbo seine große Begeis­te­rung richtig ansehen, mit der er den Regen­wald begrüßte. Sofort begann er, seine Umge­bung zu erkunden. Inter­es­san­ter­weise klet­terte Jumbo nicht direkt auf einen Baum, sondern verbrachte zunächst Zeit auf dem Wald­boden. Laut unserem Tier­arzt war dies wahr­schein­lich Teil seines Anpas­sungs­pro­zesses – er wollte seine neue Umge­bung näher kennenlernen.

Auswilderung Orang-Utan Jumbo
Schnell lässt Jumbo die Trans­portbox hinter sich

Jumbos Neugierde auf seine neue Umge­bung war offen­sicht­lich. Irgend­wann näherte er sich unserem Post-Release-Moni­to­ring-Team (PRM), das ihn aus der Ferne beobachtete.

Verfolger im Regenwald

Das PRM-Team folgt Jumbo, wie allen frisch ausge­wil­derten Orang-Utans, in den ersten Tagen und Wochen – so lange, bis wir sicher sind, dass die Tiere sich gut in der Wildnis einge­wöhnt haben. Oder sie schneller unter­wegs sind, als ihre mensch­li­chen Verfolger und im dichten Regen­wald verschwinden.

Orang-Utan-Beobachtung PRM
Gewis­sen­haft notiert das PRM-Team alle Beobachtungen

Die PRM-Teams obser­vieren dabei die Orang-Utans vom Moment der Käfig­öff­nung, bis sie es sich in ihrem Schlaf­nest gemüt­lich gemacht haben. Am nächsten Morgen, noch vor Sonnen­auf­gang, findet sich das PRM-Team dann erneut unter dem Schlaf­nest ein, um dem Orang-Utan auf seinen Streif­zügen zu folgen.

Auswilderung Orang-Utan Jumbo
Jumbo fixiert das PRM-Team

Als Jumbo erkannte, dass das PRM-Team keine Bedro­hung darstellte, klet­terte er schließ­lich auf einen Baum und begann, junge Blätter zu knab­bern. Er wirkte ruhig und gelassen zwischen den Ästen und warf gele­gent­lich einen Blick auf unser Team, das weiterhin jede seiner Bewe­gungen aufzeichnete.

Gute Nacht nach einem aufre­genden Tag

Als die Nacht herein­brach, zeigte Jumbo eine weitere wich­tige Über­le­bens­fä­hig­keit – das Nest­bauen. Er begann, Blätter zu sammeln, um sich einen Platz zum Ausruhen zu bauen. Unge­wöhn­li­cher­weise entschied er sich, sein Nest auf einem stabilen unteren Ast zu bauen, anstatt wie die meisten wilden Orang-Utans im Blät­ter­dach. Als er fertig war, entspannte er sich in seinem Nest und beob­ach­tete ruhig den Wald, der langsam von der Dunkel­heit umhüllt wurde.

Jumbo wurde müde, als die Sonne hinter den Bäumen unter­ging. Bald darauf schlief er tief und fest in seinem einfa­chen Nest – mitten im Herzen des üppigen Tropen­waldes, der nun sein neues Zuhause ist. Dies ist ein neuer Anfang für Jumbo, ein lang ersehnter Moment der Frei­heit seit dem Tag, an dem er zum ersten Mal im Nyaru Menteng Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum ange­kommen war.