Orang-Utan-Moni­to­ring im Regen­wald von Borneo

Orang-Utan-Moni­to­ring im Regen­wald von Borneo

Auf Expe­di­tion mit dem Biodi­ver­si­täts-Team im Kehje Sewen Wald: Jeder Schritt verfolgt dasselbe Ziel – sicher­zu­stellen, dass der Wald bleibt und alles Leben darin weiterhin einen Ort hat, an den es zurück­kehren kann.

Unter dem dichten Blät­ter­dach des Kehje Sewen Waldes beginnt für eine Gruppe von Menschen noch vor Sonnen­auf­gang der Tag. Sie packen Verpfle­gung in ihre Ruck­säcke, über­prüfen ihre Ausrüs­tung. Wenig später brechen sie auf. Zu Fuß hinein in den Regen­wald von Ost Kali­mantan auf Borneo – einen Biodi­ver­si­täts-Hotspot und wich­tigen Lebens­raum für Orang-Utans.

Sie sind nicht auf der Suche nach Aben­teuern, sondern nach Erkennt­nissen. Denn bei der Gruppe handelt es sich um das Biodi­ver­si­täts-Team der BOS-Wald­schutz­firma Resto­rasi Habitat Oran­gutan Indo­nesia (RHOI). Ihre Aufgabe: Orang-Utans beob­achten, Nester doku­men­tieren und Daten über die Arten­viel­falt des Waldes sammeln.

Ranger im BOS-Wald Kehje Sewen
Unter dem dichten Blät­ter­dach des Kehje Sewen Waldes

Dafür unter­nimmt das Team regel­mäßig lange Märsche durch den Regen­wald, streift durch unweg­sames Gelände, nimmt Regen und schweiß­trei­bende Hitze in Kauf. Denn ihre Arbeit ist entschei­dend dafür, ob geret­tete und ausge­wil­derte Orang-Utans lang­fristig in Frei­heit über­leben können. Und ob der Kehje Sewen Regen­wald ihnen als Lebens­raum erhalten bleibt.

Arten­schutz auf Borneo: Team­ar­beit im Regenwald

Die Expe­di­tion beginnt am frühen Morgen. Zunächst macht sich das Team auf den Weg zum Basis­lager, das im Wald­ge­biet der PT-RHOI-Konzes­sion liegt. Der Weg dorthin ist lang. Während sie durch den Wald laufen, spre­chen die Team­mit­glieder über andere Kolle­ginnen und Kollegen, die den Einsatz über Flüsse mit Booten unter­stützen. Viele Menschen sind betei­ligt, damit Expe­di­tionen sicher durch­ge­führt werden können und Mate­rial zuver­lässig ankommt. Natur- und Arten­schutz funk­tio­niert nur gemeinsam.
Erst am späten Nach­mittag errei­chen sie den Lager­platz. Zelte werden aufge­baut, Essen gekocht, die Arbeit für den nächsten Tag bespro­chen.
Acht Personen gehören zur Expe­di­tion: vier Beobachter:innen, zwei Navi­ga­toren, die zugleich Wege frei­schlagen, und zwei Mitar­bei­tende, die im Camp bleiben und sich um Verpfle­gung kümmern.

Moni­to­ring von Orang-Utans und Biodiversität

Die Aufgaben sind klar verteilt. Das Post Release Moni­to­ring (PRM) Team doku­men­tiert Orang-Utan-Nester und erfasst verschie­dene Para­meter wie Nest­höhe, Baum­höhe, Stamm­durch­messer, Umwelt­be­din­gungen. Das Rese­arch-and-Biodi­ver­sity-Team sammelt Daten über Vogel­arten an fest­ge­legten Beobachtungspunkten.

Ranger im BOS-Wald Kehje Sewen
Mit Klemm­brett im Regen­wald: Das Biodi­ver­si­täts­team sammelt Daten

Jede dieser Beob­ach­tungen liefert wich­tige Infor­ma­tionen über den Zustand des Waldes und darüber, wie gut sich die ausge­wil­derten Orang-Utans an ihr Leben in Frei­heit ange­passt haben.
Kehje Sewen ist eines der Schutz­ge­biete, in denen die BOS Foun­da­tion reha­bi­li­tierte Orang-Utans auswil­dert. Gemeinsam mit der Wald­schutz­firma RHOI setzt sich die Orga­ni­sa­tion auch für den Erhalt und die Wieder­her­stel­lung von Regen­wald – den Lebens­raum der Orang-Utans – ein.

Schwie­rige Wege durch den Regen­wald von Ost-Kalimantan

Am nächsten Morgen beginnt für das Team die eigent­liche Arbeit. Ihr erstes Ziel ist Tran­sek­tion L1, eine neue Route für Moni­to­ring-Akti­vi­täten. Schnell wird klar, dass der Weg schwie­riger ist als erwartet. Die Pfade sind sehr schmal, müssen immer wieder zuerst frei gemacht werden. Die Navi­ga­toren gehen voraus und öffnen die Route, während die übrigen Team­mit­glieder aufmerksam die Umge­bung beobachten.

Ranger im BOS-Wald Kehje Sewen
Navi­ga­toren öffnen die Trek­king­routen im unweg­samen Gelände

Das Gelände ist unwegsam, die Gruppe bewegt sich teil­weise am Fluss­ufer entlang, dann wieder steigt sie steile Hänge hinauf. Gegen 15 Uhr errei­chen sie das Ende der Tran­sek­tion. Plötz­lich verän­dert sich das Wetter. Starker Wind kommt auf, kurz darauf setzt heftiger Regen ein. Aus Sicher­heits­gründen entscheidet das Team, die Beob­ach­tung abzu­kürzen und zum Camp zurückzukehren.

Ein riesiges Farn­feld wird zur Herausforderung

Auch am folgenden Tag bricht das Team erneut früh­mor­gens auf, eine andere Beob­ach­tungs­route durch den Kehje Sewen steht auf dem Exkur­si­ons­plan. Anfangs wirkt die Strecke einfa­cher. Doch mitten im Wald stößt das Team auf ein riesiges Farn­feld, einge­bettet in steiles Terrain. Kurz halten sie inne und bewun­dern die außer­ge­wöhn­liche Szenerie.
Dann geht es weiter – nur wie? Das GPS zeigt den Weg direkt durch die dicht an dicht stehenden, meter­hohen Farne. Die Navi­ga­toren versu­chen, eine alter­na­tive Route zu finden, doch das Terrain ringsum ist unwegsam und gefähr­lich. So entscheidet sich das Team für den Weg durch das Feld.
Mit der schweren Ausrüs­tung auf dem Rücken, müssen sich die Ranger durch schmale Lücken zwischen den Pflanzen schlän­geln. Stunden vergehen. Und das Ende des Farn­feldes ist noch immer nicht in Sicht.
Als es 15 Uhr wird, steht fest: Die Tran­sek­tion kann an diesem Tag nicht abge­schlossen werden. Schweren Herzens entscheidet sich das Team zur Umkehr, um das Basis­lager zu errei­chen, bevor es dunkel wird.

Warum Regen­wald­schutz und Orang-Utan-Schutz so wichtig sind

Der Tag endet mit Erschöp­fung und Enttäu­schung. Doch auch das gehört zur Arbeit im Regen­wald dazu. Denn Regen­wald­schutz und Arten­schutz besteht nicht nur aus Erfolgen. Nicht jede Route kann beendet werden, nicht jedes Ziel wird erreicht.
Die BOS-Teams sind es gewohnt, sich immer wieder auf schwie­rige Bedin­gungen einzu­stellen: auf Wetter­um­schwünge und unweg­sames Gelände, auf lange Wege und Rück­schläge. Trotzdem setzen sie ihre Arbeit fort.
Denn jedes erfasste Orang-Utan-Nest, jede Vogel­be­ob­ach­tung, jede Baum­kar­tie­rung, kurz: jeder Daten­satz, zahlt ein in die Bemü­hungen, den Wald als Lebens­raum zu bewahren.

Orang-Utan im BOS-Wald Kehje Sewen
Die Expe­di­tion ist wichtig, um den Lebens­raum der Orang-Utans zu schützen

Oder wie das Team selbst es beschreibt: Jeder Schritt im Wald verfolgt dasselbe Ziel – sicher­zu­stellen, dass der Wald bleibt und alles Leben darin weiterhin einen Ort hat, an den es zurück­kehren kann.

Jetzt den Schutz der Orang-Utans und ihres Lebens­raums unterstützen

Die Arbeit der Teams im Kehje Sewen Regen­wald zeigt, wie aufwendig und wichtig der Schutz von Orang-Utans und tropi­schem Regen­wald ist. Jede Unter­stüt­zung hilft dabei, Moni­to­ring, Wald­schutz und Auswil­de­rungs­pro­gramme lang­fristig fortzuführen.

Unter­stützen Sie unsere Teams dabei? Jede Spende hilft!

Orang-Utan-Mütter orga­ni­sieren Spiel­treffen für ihren Nachwuchs

Orang-Utan-Mütter orga­ni­sieren Spiel­treffen für ihren Nachwuchs

Im Gegen­satz zu anderen, in Gruppen lebenden, Primaten, durch­streifen Orang-Utans den Regen­wald die meiste Zeit ihres Lebens alleine. Neue wissen­schaft­liche Beob­ach­tungen zeigen nun: Orang-Utan-Mütter nehmen zusätz­liche Wege in Kauf und verzichten auf Zeit zur Futter­suche, damit ihre Kinder mit Gleich­alt­rigen spielen können. Auch die Post-Release Moni­to­ring-Teams von BOS beob­achten immer wieder solche Spiel­treffen zwischen ausge­wil­derten Orang-Utans.

In den Baum­kronen des Regen­waldes von Borneo begegnen sich zwei Orang-Utan-Weib­chen. Ihre Kinder lösen sich von den Müttern und nähern sich einander an. Sie beginnen mitein­ander zu spielen, hangeln und klet­tern gemeinsam, testen dabei ihre Kraft und Geschicklichkeit.

Für die Jung­tiere ist die Begeg­nung eine beson­dere Gele­gen­heit, denn Orang-Utan-Mütter bringen jeweils nur ein Junges zur Welt und ziehen es sechs bis acht Jahre lang alleine auf. In dieser Zeit versorgt und schützt die Mutter ihren Nach­wuchs und vermit­telt ihm all die Fähig­keiten, die er für ein selbst­stän­diges Leben im Regen­wald benötigt.

Warum Spiel­treffen für junge Orang-Utans so wichtig sind

Gemein­sames Spiel ist für die Entwick­lung junger Menschen­affen wichtig: Es trai­niert ihre moto­ri­schen und kogni­tiven Fähig­keiten und hilft ihnen, soziale Bezie­hungen aufzu­bauen. Orang-Utan-Mütter scheinen deshalb aktiv dafür zu sorgen, dass ihre Kinder andere junge Orang-Utans treffen können.

Darauf deutet eine im Juni 2026 veröf­fent­lichte Studie unter Leitung des Wild­tier­öko­logen Odd T. Jacobson vom Max-Planck-Institut für Verhal­tens­bio­logie hin, die noch den Peer-Review-Prozess durch­laufen soll. An der Unter­su­chung betei­ligt waren Forschende aus Deutsch­land, der Schweiz, Indo­ne­sien und den USA, deren Exper­tise Bewe­gungs­öko­logie, Verhal­tens­bio­logie, Prima­to­logie, Kogni­ti­ons­for­schung, Ernäh­rungs­öko­logie und Orang-Utan-Lang­zeit­for­schung verbindet.

Weib­liche Orang-Utans suchen der Studie zufolge gezielt Gebiete auf, in denen andere Mütter mit ähnlich altem Nach­wuchs leben. Dabei zeigte sich den Forschenden ein deut­li­ches Muster: Bereits vor den späteren Spiel­be­geg­nungen bewegten sich die Mütter in Rich­tung bestimmter Nach­ba­rinnen. Anschlie­ßend führten ihre Wege wieder zurück. Das spricht dagegen, dass sich die Primaten ledig­lich zufällig begegneten.

Studie zeigt: Orang-Utan-Mütter planen Wege für Playdates

Auch das jewei­lige Nahrungs­an­gebot erklärte diese Bewe­gungen nicht. Die Mütter suchten die Nähe anderer Mutter-Kind-Paare unab­hängig davon, wie viele Früchte gerade verfügbar waren. Für die zusätz­li­chen Wege mussten sie zudem einen Preis zahlen: Sie verbrachten weniger Zeit mit der eigenen Nahrungsaufnahme.

Die Forschenden sehen darin einen starken Hinweis darauf, dass Orang-Utan-Mütter bei ihren tägli­chen Entschei­dungen nicht nur Schutz und Ernäh­rung, sondern auch die sozialen Bedürf­nisse ihrer Kinder berücksichtigen.

BOS Ranger beob­achten Orang-Utan-Party im Kehje Sewen Wald

Von solchen Begeg­nungen berichten auch die Post-Release Moni­to­ring (PRM) Teams von BOS. Ihre Aufgabe ist es, das Leben der reha­bi­li­tierten Orang-Utans nach der Auswil­de­rung zu beob­achten und unter anderem ihre Wege, ihre Nahrungs­suche und ihr Sozi­al­ver­halten zu dokumentieren.

Orang-Utan-Teenagers spielen im Wald
Der „Mütter-Club“ trifft sich zum Spielen: Lesan, Sayang und Teresa mit ihren drei Jungtieren

Einer Gruppe von drei Mutter-Kind-Paaren sind die PRM-Teams im Auswil­de­rungs­wald Kehje Sewen sogar mehr als einmal begegnet: Lesan, Sayang und Teresa mit ihren Kids Ayu, Padma und Berani scheinen sich regel­mäßig zur „Spiel­party“ zu treffen.

Bei einer Gele­gen­heit konnten die BOS-Ranger beob­achten, wie die drei Mütter gemeinsam in einem großen Feigen­baum saßen, während der Nach­wuchs durch das Geäst um sie herum klet­terte und hangelte, eine Art freund­schaft­li­ches Tauziehen mitein­ander spielte und sich gegen­seitig das Fell pflegte.

Was Spiel­treffen über das Sozi­al­ver­halten von Orang-Utans verraten

Die sechs­jäh­rige Ayu bewegte sich einmal sogar mit Orang-Utan-Weib­chen Sayang und ihrer etwa vier­jäh­rigen Tochter Padma ein Stück von ihrer eigenen Mutter weg zu einem benach­barten Baum, während diese ihr nur mit den Blicken folgte. Ayu verfolgte daraufhin mit großem Inter­esse, wie sich Sayang und Padma junge Blätter des Gold­pflau­men­baumes schme­cken ließen.

Padma und Ayu bei der Spiele-Party im Kehje Sewen Wald

Orang-Utan -Teenages spielen im Regenwald
Padma und Ayu bei der Spiele-Party im Kehje Sewen Wald

Einige Monate später begeg­nete das PRM-Team dem „Club der Mütter“ erneut und konnten beob­achten, wie Padma den etwa gleich­alt­rigen Berani umarmte, während sie zusammen auf einem Ast saßen. Die Orang-Utan-Kinder schienen sich in der Gesell­schaft der anderen während des Zusam­men­tref­fens sehr zufrieden und entspannt zu fühlen.

Orang-Utans leben einzel­gän­ge­risch – aber keines­wegs unsozial

Die neuen Forschungs­er­geb­nisse und auch die Erfah­rungen der BOS-Teams zeichnen ein immer diffe­ren­zier­teres Bild vom Leben der Orang-Utans. Die Menschen­affen leben zwar semi-solitär, sind jedoch keine unge­sel­ligen Einzelgänger.

Die nun vorge­legte Studie – eine Analyse von 15 Jahren Feld­daten zu 31 Mutter-Kind-Paaren – macht deut­lich, dass auch bei einer über­wie­gend einzel­gän­ge­risch lebenden Menschen­af­fenart soziale Kontakte die alltäg­li­chen Entschei­dungen prägen können. Orang-Utan-Mütter schaffen ihrem Nach­wuchs offenbar gezielt Gele­gen­heiten zum gemein­samen Spiel mit Gleich­alt­rigen und wägen dabei dessen Entwick­lungs­be­dürf­nisse gegen den eigenen Zeit- und Ener­gie­auf­wand ab. Die Forschenden sehen darin einen bislang wenig beach­teten Aspekt mütter­li­cher Fürsorge: Sie besteht nicht nur darin, Nahrung, Schutz und über­le­bens­wich­tiges Wissen zu vermit­teln, sondern kann auch bedeuten, soziale Erfah­rungen aktiv zu ermöglichen.

Orang-Utans sind faszi­nie­rende, hoch entwi­ckelte Lebe­wesen, über deren Verhalten und Zusam­men­leben wir noch längst nicht alles wissen. Umso wich­tiger ist es, sie und ihren Lebens­raum zu schützen – damit wir auch künftig von ihnen lernen können.

Otan der Entde­cker: Wie sich ein ausge­wil­derter Orang-Utan im Regen­wald zurechtfindet

Otan der Entde­cker: Wie sich ein ausge­wil­derter Orang-Utan im Regen­wald zurechtfindet

Nach seiner Auswil­de­rung im November 2025 verschwand Orang-Utan Otan schnell im Regen­wald des Bukit Baka Bukit Raya-Natio­nal­parks auf Borneo. Als das Post-Release Moni­to­ring-Team ihn dann schließ­lich endlich wieder einmal entdeckte, zeigte sich: Otan hat sich erfolg­reich an sein Leben in Frei­heit angepasst.

November 2025 markierte das glück­liche Finale einer zehn­jäh­rigen Reha­bi­li­ta­tion: Das junge Orang-Utan-Männ­chen Otan war im Februar 2015 gerettet worden, hatte in der BOS-Wald­schule alles gelernt, was er für ein Leben in Frei­heit brauchte, durfte 2023 auf die Voraus­wil­de­rungs­insel Bangamat umziehen und wurde schließ­lich im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park ausge­wil­dert.

Seitdem war Otan aus dem Blick­feld verschwunden

Für unsere Ranger ist das zunächst nichts Unge­wöhn­li­ches. Ausge­wil­derte Orang-Utans sollen selbst­ständig leben. Und je unab­hän­giger sie werden, desto seltener lassen sie sich beob­achten.
Trotzdem blieb Otan Gesprächs­thema im Team: Wie kam er wohl in seinem neuen wilden Zuhause zurecht? Gelang es ihm, genü­gend Nahrung zu finden? Wo versteckte er sich? Die Antworten auf diese Fragen lagen irgendwo im dichten Regen­wald am Bemban-Fluss…

Wieder­sehen mit dem ausge­wil­derten Orang-Utan

Der Morgen­nebel hing noch über den Baum­kronen, als das PRM-Team eine seiner übli­chen Patrouillen begann. Die Ranger kontrol­lierten Nahrungs­bäume, suchten nach Spuren von Wild­tieren und über­prüften Bereiche, die häufig von ausge­wil­derten Orang-Utans besucht werden.
Nichts deutete darauf hin, dass dieser Tag anders verlaufen würde als viele zuvor. Bis plötz­lich zwischen den Ästen, nahe dem Ufer des Bemban-Flusses, eine vertraute Silhou­ette auftauchte. Vorsichtig näherte sich unser Team und war sich schnell einig: Es ist Otan!

Orang-Utan Otan im Regenwald
Otan im Regen­wald: Viele unter­schied­liche Nahrungs­quellen zu kennen, ist überlebenswichtig

Der junge Oran-Utan-Mann pflückte in aller Ruhe die Früchte eines Sang­kuangs (Dracon­to­melon dao) und ließ sich nicht von den Menschen stören, die in ausrei­chender Entfer­nung ihren Beob­ach­tungs­posten einge­nommen hatten.

Je länger unser PRM-Team Otan beob­ach­tete, desto deut­li­cher wurde, wie sehr er sich seit seiner Auswil­de­rung verän­dert hatte.
Nicht nur war Otan ganz offen­sicht­lich gesund und in bester Verfas­sung, er bewegte sich auch selbst­si­cher und kraft­voll durch den Wald und nutzte dabei unter­schied­lichste Nahrungs­quellen. Neben Sang­kuang fraß er Früchte von verschie­denen Feigen­baum­arten, von Clusiaceae-Arten und Anno­nen­ge­wächsen sowie weitere Pflan­zen­teile wie Orchi­deen, Baum­rinde und junge Rattansprossen.

Wie Otan nach seiner Auswil­de­rung im Regen­wald lebt

In den ersten Monaten nach seiner Frei­las­sung hatte Otan den Groß­teil seiner Zeit hoch oben in den Bäumen verbracht, wo er für unsere PRM-Teams nur schwer zu beob­achten war. Nur über seinen implan­tierten Peil­sender konnte er loka­li­siert werden. Doch bei diesem Zusam­men­treffen wirkte er weitaus dyna­mi­scher: Er wech­selte immer wieder zwischen den verschie­denen Ebenen des Waldes. Mal stieg er auf den Boden hinab, klet­terte entschlossen über Sträu­cher und umge­stürzte Baum­stämme. Mal schwang er sich kraft­voll durch das Geäst der Baumriesen.

Orang-Utan Otan im Regenwald
Otan – wild und frei im Nationalpark

Im Laufe des Tages legte er rund 1.200 Meter zurück. Für Menschen mag das keine außer­ge­wöhn­liche Strecke sein. Für unser PRM-Team jedoch erzählt sie, zusammen mit den Beob­ach­tungen des Tages, eine wich­tige Geschichte: Die eines Orang-Utans, der seinen Lebens­raum kennt und sich darin sicher und ziel­ge­richtet bewegt.

Post-Release Moni­to­ring: So begleitet BOS ausge­wil­derte Orang-Utans

Damit war die Sich­tung Otans nach den vielen Wochen, in denen er abge­taucht war, eine wich­tige und wert­volle Bestä­ti­gung: Otan ist gut in seinem neuen Lebens­raum ange­kommen!
Als sich der Tag dem Ende näherte und das Licht unter dem Blät­ter­dach langsam schwä­cher wurde, kam auch Otan langsam zur Ruhe. Schließ­lich begann er, hoch oben in einem Baum Äste und Blätter zu verweben. Routine für einen wilden Orang-Utan – er baut sein Schlaf­nest für die Nacht.

Warum diese Beob­ach­tung für den Orang-Utan-Schutz wichtig ist

Für unser PRM-Team endete damit ein beson­ders erfolg­rei­cher Tag. Denn beim Post-Release Moni­to­ring geht es nicht darum, einen Orang-Utan wieder­zu­sehen.
Es geht darum, sich durch Beob­ach­tung davon zu über­zeugen, dass der von BOS geret­tete Orang-Utan während seiner Reha­bi­li­ta­tion tatsäch­lich alle Fähig­keiten entwi­ckelt hat, die er für ein selb­stän­diges Leben braucht. Dass er nach seiner Auswil­de­rung das freie und wilde Leben führt, für das er einst geboren wurde.
An diesem Tag am Bemban-Fluss lieferte Otan dafür einen eindrucks­vollen Beweis.

Otans Geschichte zeigt, was möglich wird, wenn Rettung, Reha­bi­li­ta­tion und Regen­wald­schutz zusam­men­wirken. Mit Ihrer Spende helfen Sie dabei, weiteren Orang-Utans den Weg zurück in die Frei­heit zu ermög­li­chen und ihren Lebens­raum lang­fristig zu schützen.

Drei Tage mit Orang-Utan-Mutter Manggo: Lebens-Lektionen im Regen­wald von Borneo

Drei Tage mit Orang-Utan-Mutter Manggo: Lebens-Lektionen im Regen­wald von Borneo

Unser Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team konnte Orang-Utan-Mutter Manggo mit ihrem Nach­wuchs Melki drei Tage im Schutz­wald Bukit Batikap beob­achten. Was auf den ersten Blick nach Alltag aussieht, gibt den Orang-Utan-Experten tiefe Einblicke in das soziale Lernen der Wald­men­schen – und wert­volles Wissen für die künf­tige Reha­bi­li­ta­tion, Auswil­de­rung und Schutzarbeit.

Oft erzählt der Regen­wald von Borneo seine Geschichten ganz leise. Man muss genau hinschauen und hinhören. Etwa wenn eine Orang-Utan-Mutter nahezu unsichtbar in den Baum­kronen sitzt, mit leisem Rascheln eine Frucht pflückt, von jungen Blät­tern nascht oder Termiten aus einem morschen Baum­stamm sammelt. Dazwi­schen immer wieder ruhig und sicher von Ast zu Ast klet­tert. Und dabei ganz dicht von ihrem Jung­tier begleitet wird, das jede Bewe­gung beob­achtet.
Im Schutz­wald Bukit Batikap in Zentral-Kali­mantan auf Borneo hat unser PRM-Team drei Tage lang eine solche Geschichte beob­achtet: die von Manggo und ihrem Kind Melki.

Warum das Moni­to­ring ausge­wil­derter Orang-Utans so wichtig ist

Als das PRM-Team die beiden während einer Moni­to­ring-Patrouille entdeckte, saßen sie auf einem Sang­kuang-Baum (Dracon­to­melon dao) und futterten Früchte. Das Jung­tier Melki wurde erst­mals 2019 von unserem Team gesichtet und ist inzwi­schen rund sieben Jahre alt. Mama Manggo lebt seit mitt­ler­weile 13 Jahren wild und frei im Regen­wald von Bukit Batikap. Sie wurde im Februar 2013 gemeinsam mit ihrer Mutter Markisa der jüngeren Schwester Uli ausge­wil­dert.

Orang-Utan Manggo im Regenwald
Stark und frei: Orang-Utan Manggo lebt seit 2013 im Bukit Batikap Wald

Manggos Start ins Leben war alles andere als gewöhn­lich: Obwohl sie ihre ersten Lebens­jahre bei BOS verbrachte, hatte sie das große Glück, gemeinsam mit ihrer Mutter aufwachsen zu können. Denn Manggo wurde auf einer der Voraus­wil­de­rungs­in­seln geboren. Von Mutter Markisa lernte sie, sicher zu klet­tern, Schlaf­nester zu bauen und essbare Früchte und Blätter im Regen­wald zu erkennen.

Vom Rettungs­zen­trum in die Frei­heit: Manggos Weg zurück in den Regenwald

Schon vor ihrer Auswil­de­rung fiel Manggo dem BOS-Team als neugierig, aktiv und wiss­be­gierig auf. Jeden Tag erkun­dete sie den Wald aufs Neue. Sie galt als wenig domi­nant und äußerst anpas­sungs­fähig. Ein Orang-Utan, der Situa­tionen gut einschätzen kann.
Heute bekommen diese Eigen­schaften eine neue Bedeu­tung: Manggo gibt ihr Wissen als Mutter an Melki weiter. In den drei Tagen der Beob­ach­tung bewies die Orang-Utan-Dame dem PRM-Team, dass sie ganz genau weiß, was sie tut — wie sicher sie sich im Wald bewegt, Nahrung findet und ihr Jung­tier anleitet.

Was junge Orang-Utans von ihren Müttern lernen

Die erste Beob­ach­tung der BOS-Ranger begann um die Mittags­zeit. Manggo und Melki saßen im Sang­kuang-Baum und futterten genüss­lich dessen Früchte. Das PRM-Team konnte die Beob­ach­tung bis zum Einbruch der Dunkel­heit fort­setzen, als sich die beiden ein Schlaf­nest für die Nacht bauten. Der Tag der beiden Orang-Utans war vor allem von der Nahrungs­suche bestimmt. Melki blieb dabei immer dicht bei der Mutter und imitierte ihr Fressverhalten.

Orang-Utan-Kind Melki im Regenwald
Melki ist heute etwa sieben Jahre alt – fast schon bereit für ein eigen­stän­diges Leben

Am zweiten und dritten Tag beglei­tete das Team Manggo und Melki vom Verlassen des Morgen­nestes bis zum Bau des neuen Nacht­quar­tiers. Der wissen­schaft­liche Begriff dafür ist die Nest-zu-Nest-Methode.

Wieder domi­nierte das Fressen den Tages­ab­lauf. Manggo suchte und fraß Sang­kuang-Früchte, Hampa­ning-Früchte, Umbut (junge Palm­triebe), junge Lunuk-Blätter und Termiten. Wieder bewegte sich Melki an der Seite ihrer Mutter. So zeigte sich drei Tage lang ein ruhiges, stetiges Bild: eine Mutter, die ihren Alltag im Wald meis­tert, und ein Jung­tier, das Schritt für Schritt begreift, wie dieser Alltag funktioniert.

Orang-Utan-Manggo im Regenwald
Manggo bedient sich am Regen­wald­buffet. Der Spei­se­plan frei­le­bender Orang-Utans ist äußerst vielseitig

Dabei bewiesen die beiden, wie viel­fältig der Spei­se­plan eines Orang-Utans im Regen­wald sein kann. Für die Reha­bi­li­ta­tion eines geret­teten Orang-Utans sind diese Kennt­nisse einer der Indi­ka­toren, ob der Primat bereit ist für die Auswil­de­rung. Manggo hat diese Kennt­nisse zwar direkt von ihrer Mutter erlernt, diese jedoch war selbst erst als Vier­jäh­rige aus ille­galer Haus­tier­hal­tung gerettet worden. In der BOS-Wald­schule wurde sie während zahl­rei­cher Lektionen auf ihr Leben als wilder, freier Orang-Utan vorbereitet.

Nahrungs­suche als Über­le­bens­trai­ning für junge Orang-Utans

Beob­ach­tungen wie diese sind für das Moni­to­ring nach einer Orang-Utan-Auswil­de­rung beson­ders wert­voll: Sie zeigen nicht nur, wo sich einzelne Tiere aufhalten. Sie geben darüber hinaus wich­tige Hinweise auf Akti­vi­täts­muster, Ernäh­rung, Gesund­heits­zu­stand und darauf, wie gut der reha­bi­li­tierte Orang-Utan an seinen Lebens­raum ange­passt ist.
Bei Mutter-Kind-Paaren kommt ein weiterer wich­tiger Aspekt hinzu: das soziale Lernen der nächsten Generation.

Drei Tage mit Manggo und Melki zeigen deshalb mehr als einen Ausschnitt aus dem Leben zweier frei­le­bender Orang-Utans im Regen­wald von Borneo. Sie zeigen, warum Orang-Utan-Rettung, Reha­bi­li­ta­tion, Auswil­de­rung, Moni­to­ring und Wald­schutz zusam­men­ge­hören. Nur wenn ihr Lebens­raum geschützt bleibt, kann die Geschichte von Manggo und Melki weiter­gehen – von einer Orang-Utan-Gene­ra­tion zur nächsten.

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Heim­kehr in die Wildnis: Fünf Orang-Utans ausgewildert

Heim­kehr in die Wildnis: Fünf Orang-Utans ausgewildert

Ab in die Frei­heit, hieß es jetzt für fünf reha­bi­li­tierte Orang-Utans aus dem BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng. Am 18. Juni 2026 wurden die Weib­chen Farida, Semeru und Lykke und die Männ­chen Nett (auch unter dem Namen Otang bekannt) und Himba im Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya ausge­wil­dert. Sechs bis 22 Jahre haben die fünf Orang-Utans in der Obhut der BOS Foun­da­tion verbracht.

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Mehr Infor­ma­tionen

Der heute 15 Jahre alte Himba kam 2011 mit schwersten Verbren­nungen am ganzen Körper zu BOS. Er über­lebte nur, dank des inten­siven Einsatzes des BOS-Tier­ärzte-Teams und der liebe­vollen Pflege durch seine Baby­sit­terin Mariana.
Lykke ist mit 23 Jahren die Älteste der Gruppe, Nett mit elf Jahren der Jüngste. Semeru und Farida wurden aus ille­galer Haltung befreit.

Damit sind es 561 reha­bi­li­tierte Orang-Utans, die die BOS Foun­da­tion seit 2012 in Regen­wald­schutz­ge­biete ausge­wil­dert hat.

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